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FOTOTIPP:
Porträt unter der Straßenlaterne

(25.12.2012)

Kunstlicht in der Stadt kann schon ganz schön heftig sein, was den Farbstich angeht. Ich forste gerade einige ältere Aufnahmen durch auf der Suche nach beeindruckenden Beispielen für mein Buch »Magisches Licht«. Dabei bin ich auch auf das Foto hier links gestoßen.

Das war nur als Testschuss gedacht, um zu entscheiden, ob ich an dieser Stelle fotografieren mag oder nicht. Wie man sich schon denken kann, hab ich den Gedanken verworfen. Der Farbstich war mir dann doch zu extrem und insgesamt war mir das Licht auch einfach zu hart - fast wie von einem frontal eingesetzten Blitz. Das war nichts, was mich vom Hocker reißen konnte.

Trotzdem wollte ich es jetzt genauer wissen und versuchen, was mit sorgfältigem Gebastel im RAW-Konverter hinzukriegen ist.

Wie kaum zu übersehen ist, musste der automatische Weißabgleich meiner D300 das Handtuch werfen. Der Orangestich war das Ergebnis der Verschlimmbesserung, die sich die Kamera da geleistet hatte. Im RAW-Konverter zeigte sich auch gleich, dass es Lichtbedingungen waren, die sich hart an der Grenze des vorgesehenen Spielraums für die Einstellung bewegten. Ein halbwegs brauchbarer Weißabgleich gelang nur bei einer Farbtemperatur von 2000K, also wirklich am Anschlag. Immerhin war damit aber ein Mix zu erreichen, der auch Tonwerte enthält, die nicht nur aus Orange und Knallrot bestehen. Mit den Reglern HSL/Graustufen arbeite ich sonst eher selten. Hier macht das aber Sinn. Man kann dort ja für einzelne Farben die Feinabstimmung für Farbton, Farbsättigung und Luminanz getrennt regeln. Ehrlich gesagt hab ich gestaunt, was damit überraschend einfach dann doch noch rauszuholen ist: Sogar die Flechten am Baumstamm haben ohne große Purzelbäume ihren ganz normalen Grünton erhalten, und über den Hautton kann man auch nicht wirklich meckern, finde ich.

Alles in allem ist das mal wieder ein Beispiel, das eindrucksvoll belegt, wieso man auf den RAW-Modus bei der Aufnahme nicht verichten sollte.