Untermenüs finden Sie am Seitenende.

FOTOTIPP:
Mit »offener« Kamera

(11.01.2013)

Voriges Wochenende habe ich mal wieder bei wirklich minimalem und - wie das halt in solcher Umgebung nun mal ist - dazu hin ständig wechselndem Licht fotografiert: in der Kellerdisco des Kult in Rottenburg nämlich. Die typische Disco-Stimmung mit jeder Menge Tanzenden wild durcheinander hat mich allerdings nicht interessiert. Mir ging es mehr darum die interessanten gestalterischen Möglichkeiten auszuloten, die ich mit meiner für Infrarot modifizierten Kamera habe.

Normalerweise ist das ja als klassisches Entweder-Oder gedacht: Je nach verwendetem Filter vor der Frontlinse ist diese Kamera eben eine für völlig normale Fotografie mit ganz natürlichen Farben (das ist dann der Fall, wenn man den so genannten Neutralisationsfilter drauf hat; der sperrt Infrarot vollständig) oder eine für Infrarot-Fotografie. Ich hatte ja aber schon vor längerer Zeit eher zufällig entdeckt, dass diese Kamera ganz ohne Filter bei entsprechendem Licht zusätzliche Fähigkeiten entwickelt, die nicht von der Hand zu weisen sind: Beim Licht im Disco-Keller gewinne ich sagenhafte 4 zusätzliche Belichtungsstufen an Empfindlichkeit und habe bei eingestellten ISO 3200 tatsächlich rund ISO 50000 zur Verfügung. Zustande kommt das dadurch, dass die Kamera ohne Filter von ungefähr 350 nm bis 1100nm offen ist (gegenüber nur 400-700nm der normalen Kamera).

Den Nachteil, dass die Farben dann meistens sehr seltsam und unnatürlich aussehen, habe ich in der Disco entweder in Kauf genommen, oder ich habe die Bilder in SW umgewandelt. Heute kam mir beim Ausarbeiten aber noch eine ganz andere Idee: Mit dem DNG-Konverter habe ich erst mal einen halbwegs »braven« Weißabgleich gebastelt. Den Hautton setze ich dann mit der Pipette auf neutral (also ohne Farbe gewissermaßen) und wende dann den eher für Farb-Infrarot gedachten Kanaltausch an (Rotkanal und Blaukanal werden getauscht, bei Farb-IR mit dem Ziel, um natürlich wirkendes Himmelsblau zu erhalten). Und guck mal einer an: Das Ergebnis - siehe oben - ist ja durchaus interessant und ansprechend! Ich werde mich sicher noch näher damit befassen. Dass bei gleicher Bearbeitung durchaus unterschiedliche Farbtöne heraus kommen, das dürfte überwiegend an der schwankenden Beleuchtung kommen, nehme ich. Mich stört es aber auch nicht.