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FOTOTIPP Oktober 2015:

Nachts in Dresden

Vergangenes Wochenende hatte ich in Dresden zu tun und habe die Gelegenheit natürlich auch zum Fotografieren genutzt. Das Wetter war sehr unfreundlich, aber das muss wirklich kein Hindernis sein. Da ist zum Beispiel die regennasse und schon sehr verlassene Fußgängerzone: fotografisch durchaus interessant, finde ich. Und wenn's dann doch zu ungemütlich wird, bietet der Dresdener Bahnhof auch eine gestalterisch verlockende Kulisse.
Eingang in den Dresdener Bahnhof

Hier der Eingang in den Dresdener Bahnhof kurz nach Mitter­nacht, vom Wiener Platz aus gesehen.

Ich bin bei solchen Aufnahmen immer wieder beeindruckt, welchen Kon­trast­umfang heutige Digital­kameras bewäl­tigen und wie mühelos die Aus­arbei­tung im RAW-Kon­verter doch ist!

Ich bin kein Freund von unna­türlich über­trie­benen Effekten und habe mich deshalb noch nie für HDR begeis­tern können. Im RAW-Kon­verter ist aber inzwi­schen so viel Poten­zial drin, dass ich die Aufga­ben, für die ich früher doch fast HDR in Betracht gezogen hätte, jetzt bestens einfach mit dem RAW-Kon­verter erle­digen kann.

Für Nacht­aufnah­men bedeu­tet das, dass ich zwar schon gerne auch in den dunk­len Bild­partien noch einige Details sehen möchte, aber eben nicht das abso­lute Maxi­mum des Mög­lichen, denn dann geht der Ein­druck einer Nacht­auf­nahme verloren.

Schauen Sie bei­spiels­weise die Perso­nen im Vorder­grund an: Selbst­ver­ständ­lich wäre es mach­bar ge­wesen sie aufzu­hellen. Ich meine aber, das wäre hier kontra­pro­duktiv gewe­sen. Schließ­lich han­delt es sich ja nicht um eine Por­trät­auf­nahme, sondern die Per­sonen sollen hier nur etwas Leben ins Bild rein brin­gen, mehr nicht. Deshalb ist es völlig in Ord­nung, dass sie eben gerade nicht hell wie von einer künst­lichen Licht­quelle ange­strahlt sein sollen. Gestört hätte es mich aber, wenn im Innen­raum des Bahn­hofs alles völlig über­strahlt und von ausge­fresse­nen Lichtern dominiert wäre. Wie schon erwähnt schafft das aber der RAW-Kon­verter mühelos.

Auf dem Wiener Platz

Bei diesem Bild bewirkt erst die Nässe, dass der Boden so schön goldfarben zu strahlen beginnt. In trockenem Zustand würde er ganz stumpf aussehen, also vergleichsweise langweilig.

Paar im Regen

Auch Schwarzweiß sollte man nicht von vorn herein verwerfen. Mir hat die trostlose Atmosphäre gut gefallen, die bei dieser Aufnahme mit den grauen Schirmen durch Ausarbeitung als SW-Bild stimmungsmäßig noch unterstrichen wird.

im Bahnhofsgebäude

Der Dresdener Bahn­hof bietet im Innen­bereich foto­gra­fisch durch­aus anspre­chende Motive.

Das Bild hier links hat mich durch die Decken­konstruk­tion und die symme­trische Struktur spontan an eine Kirche erinn­ert. Im Vorder­grund steht hier aber nicht der Altar, sondern ein eher futu­ris­tisch gestal­teter Abfall­eimer. Aber eigent­lich passt das ja doch fast: Beides fängt mit A an, und die Wort­länge unter­schei­det sich auch nur um einen einzi­gen Buch­staben.

Schön finde ich, dass um diese Zeit nur noch sehr wenige Leute unter­wegs waren, so dass die "Kathe­drale" in ihrer Wirkung mehr zur Gel­tung kommt als wenn Men­schen­massen kreuz und quer unter­wegs gewe­sen wären.

im Bahnhofsgebäude

Ein Stück weiter ändert sich die Stimmung plötzlich. Ohne die Kuppel im Bild sieht alles längst nicht mehr so "sakral" aus, was aber nicht gerade ein Nachteil ist, finde ich.

im Bahnhofsgebäude

Ein Blick zurück zeigt nochmals eine etwas andere Atmosphäre. Man beachte, dass der Müll­sammel­kasten wieder malerisch im Bild ist (jetzt ganz links).

So, das war's auch schon! Alles war nicht großartig geplant, sondern eben das, wo ich gerade vorbei kam. Was man dazu braucht? Gar nicht so viel: Alle Aufnahmen sind mit dem 2,0/18 mm Objektiv entstanden (bezogen auf KB entsprechend einem 28-mm-Weit­winkel) und ohne Blitz und ohne Stativ. Es ist also nützlich, wenn man eine Kamera hat, die auch bei etwas höherer ISO-Zahl (draußen meistens 6400) nicht sofort ins übelste Rauschen verfällt. Der Rest ist die Ausarbeitung im RAW-Konverter (natürlich schön sorgfältig die stürzenden Linien beseitigt). Probieren Sie so was Ähnliches doch auch mal!