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FOTOTIPP April 2013:

RAW - das braucht doch kein Mensch wirklich, oder?

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Der RAW-Konverter in CS6: Sehr schlicht und bescheiden kommt der aktuelle RAW-Konverter auch weiterhin daher. Und doch verbirgt sich dahinter noch weiter gewachsene Leistung.

Okay, inzwischen ist allmählich doch bei der Mehrzahl der etwas anspruchsvolleren Fotografen, also jenseits des reinen »Knipser-Niveaus«, die Botschaft angekommen, dass man auf RAW nicht verzichten sollte.

Leider endet die schöne »Bekehrung« einen kleinen Schritt weiter oft aber auch schon: Die eigene Kamera bietet ja meistens diesen bequemen doppelten Modus an, in dem das Bild sowohl im RAW-Format und als JPG-Datei in voller Auflösung auf dem Speicherkärtchen landet. Das ist natürlich verlockend, denn jetzt kann ja die Kamera ihre tollen Automatik-Fähigkeiten zur Geltung bringen und zeigen, dass man damit auch im JPG-Format schon fast perfekte Fotos erhält.

Tatsache ist, dass heute krasse Fehlbelichtugen nur noch selten vorkommen, wenn man die pseudo-intelligente Automatik und die schöne Kamera mit ihren ich weiß nicht wievielen Messfeldern walten lässt. Einen gewissen Sinn macht das, wenn das Foto halt vor allem gut erkennbar sein soll und damit seine Aufgabe auch schon überwiegend erfüllt ist. Weiter, nächstes Foto!

Wer seine Fotografie aber anders versteht und ein wirkliches Bild zum Ziel hat, der wird auch konkretere Vorstellungen haben, wie Kontrast und Farbe ausgearbeitet werden sollen. Ich stelle immer wieder fest, dass ich mich spontan ebenfalls von dem beeindrucken lasse, was eine moderne Kamera-Automatik liefert. Mir fällt spätestens aber beim zweiten Blick oft auf, dass es nicht die Stimmung und Atmosphäre ist, die ich für genau dieses Bild mir vorgestellt habe. Wie auch - die Kamera kann das ja nicht ahnen!

Wer dient hier wem?

Ich meine, wenn man einen gewissen Anspruch an die eigene Fotografie hat und nicht nur auf Jagd nach der Masse ist, dann sollte man selber viel mehr eingreifen - auch nach der Aufnahme noch. Der RAW-Konverter bietet dermaßen beeindruckende Möglichkeiten für diese gezielten Eingriffe, die die Anmutung meiner Bilder maßgeblich bestimmen, dass ich darauf auf keinen Fall verzichten möchte.

Dass ich mich dabei für RAW und eine leistungsfähige Software dazu entscheide, finde ich einfach die naheliegendste Konsequenz. Ich bin kein Event-Knipser, für den es wichtig ist, dass er möglichst mit weit über 500 Fotos heim kommt. Ich verdiene damit nicht mein Geld und würde es auch niemals freiwillig tun, weil ich das fotografisch als Strafarbeit empfinden würde. Auch alle Hobbyfotografen können es sich jederzeit leisten, sich für ihre Fotografie Zeit zu lassen. Das gilt für die Aufnahme selbst, und erst recht für die nachträgliche individuelle Ausarbeitung.

Der RAW-Konverter der Photoshop-Vollversion (aktuell CS6) und von Lightroom 4 sind übrigens identisch, auch wenn die Oberfläche etwas anders aussieht. Photoshop Elements hat aber einen merklich »kastrierten« RAW-Konverter.