Ein paar Gedanken zum Thema Fotografie

Ich fotografiere jetzt ja sehr konstant schon seit über 45 Jahren. Das ist eine lange Zeit, in der sich natürlich allerlei verändert hat. Wenn ich zurück denke, stelle ich aber fest: für mich ist doch viel geblieben. Dazu einige Gedanken in diesem Beitrag. 

Ernsthaft los gegangen ist es Mitte der 70er Jahre, als ich mir die erste Fotoausrüstung zugelegt habe (eine Praktika TTL mit 1,7/50 Normalobjektiv, 2,8/35 Weitwinkel und 2,8/135 Tele). Damit konnte man schon was Brauchbares anfangen.

Keine Angst, ich werde jetzt nicht alle Kameras und Zubehörteile auflisten, die ich dann hatte (es waren eine Menge), sondern nur die wesentlichen Stationen. Eine solche Station war der Wunsch meine Bilder so weit wie möglich selber gestalten zu können, und das bedeutete damals, dass eine eigene Dunkelkammer her musste. Bei Foto Wirth in Herrenberg gab es das passende Angebot: einen SW-Vergrößerer plus grundlegende Laborausrüstung für 99 Mark. Das war ein Kauf, den ich nie bereut habe. Die kreativen Möglichkeiten waren jetzt riesig!

Ich mache einen Zeitsprung und frage mich, wann der nächste große Sprung für mich kam. Das war Anfang der 90er Jahre, als ich als wissenschaftlicher Angestellter im Deutschen Institut für Fernstudien im Bereich Medienforschung gearbeitet habe. Dort ist mir damals Photoshop in der Version 2.5 begegnet – und ich war fasziniert davon! Von heute aus gesehen konnte das Programm noch lächerlich wenig, aber mir war sofort klar, in welche Richtung das gehen würde. Ich habe mir bald einen ordentlichen Flachbettscanner gekauft, meine Bilder eingescannt und mit Photoshop bearbeitet. Das war schon ein echter qualitativer Sprung an Gestaltungsmöglichkeiten gegenüber der Laborarbeit. Schade war nur, dass es noch keine bezahlbaren guten Ausgabemöglichkeiten gab. Der Monitor war erst mal Ende.

Aber auch da tat sich bald was. Gegen Ende der 90er habe ich mir zusammen mit einem befreundeten Fotograf einen Kodak Thermosublimationsdrucker gekauft (mit 15.000 DM war man dabei…). Damit konnte man Bilder im Format A4+ in echter Fotoqualität drucken – ein absoluter Traum! Konventionell fotografieren, scannen und auf dem Kodak ausdrucken war zwar noch teuer und etwas umständlich, aber schon recht nah an der grundlegenden Arbeitsweise heute dran.

2005 war ich dann bereit zum Umstieg auf Digitalfotografie und der gesamte Analog-Kram wurde verkauft. Ich hab damals nicht weiter drüber nachgedacht, hatte aber das Gefühl „am Ziel angekommen“ zu sein, denn was sollte schon noch Großes kommen? Die Kameras und PCs werden halt noch leistungsfähiger werden, so dass alles noch etwas schneller geht, aber dass es noch weitere qualitative Sprünge geben wird, das habe ich nicht erwartet. Oh wie naiv, denke ich heute!

Mir war zwar grundlegend klar wie der RAW-Modus funktioniert, aber ich habe keinen Sinn darin gesehen mir unnötige Arbeit zu machen. Also habe ich natürlich nur im JPG-Modus fotografiert. Erst ein paar Jahre später kam ich ins Staunen, als ich gesehen habe, dass sich mit der inzwischen deutlich leistungsfähiger gewordenen Version des RAW-Konverters auch aus älteren RAW-Bildern jetzt noch mehr rausholen lässt. Und ich Blödmann hatte jahrelang nur JPG fotografiert!

Photoshop und KI

Spätestens seit ChatGPT ist KI ja das kontrovers diskutierte Thema schlechthin, von wegen Gefahren usw. blablabla. Ich denke, ich kann distanziert und skeptisch genug mit KI umgehen um die positiven Seiten nutzen zu können. Ich staune wirklich, was z.B. heute dem Fotograf an Tools zur Erstellung von Auswahlbereichen zur Verfügung steht. Es ist noch nicht so lange her, dass es mal locker eine halbe Stunde Detailarbeit bedeutet hat mit Photoshop ein Porträt im Gegenlicht perfekt auszuwählen zur partiellen Nachbearbeitung. Der Aufwand war vergleichbar mit dem Zeitbedarf im Fotolabor plus evtl. nötiger Retusche. Heute ist das bei 99 % der Bilder nur noch ein Mausklick, den Rest macht die KI von Photoshop in wenigen Sekunden. Sogar feinste Details werden meist richtig erkannt – sehr beeindruckend, finde ich! Man darf gespannt sein, was in Zukunft noch kommen wird.

Was ist geblieben?

Nur wenig verändert hat sich meine Sichtweise, dass ein Bild nicht allein im Klick auf den Auslöser besteht. Davor muss eine bewusste Gestaltung, ein Arrangement stattfinden, und danach erfolgt die mehr oder weniger zeitintensive Ausarbeitung. Damals geschah das überwiegend in der Dunkelkammer, heute eben am Bildschirm. Das Grundverständnis meiner Fotografie ist heute nicht anders als vor 40 Jahren, nur stehen eben heute Werkzeuge zur Verfügung, die vielseitiger und flexibler sind. Ich empfinde das schon als einen Fortschritt.

Ebenfalls geblieben sind zu einem großen Teil die Themen meiner Fotografie, wobei die Aktfotografie nach wie vor ein wichtiger Baustein ist. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich keine Mittelformat-Ausrüstung samt schwerem Stativ mehr rumschleppen muss, sondern auch bei sehr spärlichem Licht dank rauscharmer Kamera, lichtstarker Objektive und Bildstabilisator freihändig mit vorhandenem Licht arbeiten kann. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten.

Studio
Ende der 80er Jahre hatte ich ein kleineres Studio mit Blitzanlage und einigen Requisiten. Ich habe damals regelmäßig Workshops veranstaltet. Hier ein Bild daraus.
Leonie
Studio fand ich allmählich langweilig und zu künstlich. Alte Fabrikruinen haben mich als Umfeld wesentlich mehr begeistert.
Emmi
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Weil ich aber leider nicht mehr sooo gut zu Fuß bin, darf es nicht zu unwegsam sein – man wird halt nicht jünger…
mercury
Nicht nur unbekleidete Menschen fotografiere ich gerne. Ab und zu ergibt sich die Gelegenheit bei einem Konzert zu fotografieren. Interessant finde ich das vor allem dann, wenn ich mich dabei weitgehend frei bewegen kann und nicht aus der Ferne fotografieren muss.
Ravenna
Alte Kirchen finde ich auch fotografisch oft sehr lohnend. Auch da ist es wieder sehr vorteilhaft lichtstarke Objektive zu haben und kein Stativ zu brauchen. Hier im Dezember 2017 in Ravenna.

 

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