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Für gute Bilder brauche ich...

...an Technik nicht besonders viel! - Das ist doch nur eine provokative These, oder? Nein, so sehe ich es gar nicht, denn nach meiner Erfahrung und meinem Verständnis besteht das Können des Fotografen nur zum ganz kleinen Teil in technischer Fähigkeit. Ich bin überzeugt davon, daß die eigentliche Anforderung darin besteht, daß man sein Werkzeug optimal einsetzen kann. Fotografie hat so unendlich viele Möglichkeiten, daß es nur ein Armutszeugnis wäre, den Schwerpunkt seiner Fotografie auf technische Faktoren zu legen.

Mit oder ohne Sherpas?

Man sollte sich auch frühzeitig Gedanken dazu machen, wie das eigene Fotografieren üblicherweise aussieht. Wer regelmäßig seine Träger dabei hat, kann munter mit dem gesamten Equipment losziehen, ob das jetzt wirklich gebraucht wird oder nicht. Meine Welt ist das aber nicht. Ich hab mich lange genug zähneknirschend mit meiner Mittleformat-Ausrüstung abgeschleppt, um es heute genießen zu können, daß die aktuelle Ausrüstung wieder in einer einzigen Fototasche Platz findet (das Stativ außen dran geschnallt und so wirklich immer dabei). Und siehe da: Mir reicht das!

Für kurze Zeit hatte ich eine zweite Tasche für den Blitz. Wenn schon blitzen, dann will ich auch Power haben (Metz CT 60). Ruckzuck schleppt man aber eine ganze Menge mit, weil ein flexibel eingesetzter Blitz nach eigenem Stativ und Lichtformern schreit und noch Einiges mehr. Das ist nicht nur Gewicht, sondern auch sperrig oder muß gut eingepackt werden. Und wenn ich eines hasse, dann ist das jede Art von Räumerei. - Der Blitz ist jetzt verkauft, und stattdessen kam ein hochwertiges Carbonstativ mit Magenesiumkopf her. Leicht und superstabil. Ein sehr guter Tausch für mich! Jetzt bin ich auch wieder für Außenaufnahmen autark, bei denen ein längerer Anmarsch nötig ist. "Sherpas" liegen mir schon deshalb nicht, weil ich mich auch gern mal in nicht ganz offiiziell zugänglichen Umgebungen bewege, wie das halt Fabrikruinen so an sich haben...

Eine Beobachtung

Erstaunlich oft treffe ich auf unglückliche, fast verzweifelte Fotografen, die sich grün und blau ärgern, weil sie "ausgerechnet jetzt" das Objektiv X oder das Zubehör Y nicht dabei haben. Dabei hat man es doch für teueres Geld extra genau dafür angeschafft! Sorry, aber das macht mich grinsen: Es zeigt doch die jämmerliche Unfähigkeit aus den vorhandenen Mitteln das Beste herauszuholen.

Natürlich muß man die Möglichkeiten und Grenzen seiner Ausrüstung kennen. Aber das ist kaum ein Problem, denn dafür wird man sich ja überwiegend bewußt entschieden haben. Trotzdem wird das oft überschätzt: Es macht sicher wenig Sinn, mit einer rein manuell zu bedienenden Mittelformatkamera Actionfotografie zu versuchen. Das heißt aber nicht, daß mit einer solchen Kamera gar nichts anzufangen wäre. Der Fotograf ist gefordert, selektiv genau die Momente vorweg zu ahnen, die nicht von der Hektik und Geschwindigkeit leben. Und diese Augenblicke gibt es auch im Sport. Wenn ich wirklich mit einer eigentlich ungeeigneten Kamera "gestraft bin", dann liegt es einzig und allein bei mir die Fähigkeit zu aktivieren, daß ich einfach andere, auch für mich mögliche Schwerpunkte setze. Ausdrucksstarke Portraits sind z.B. nie wirklich ein Produkt von Schnelligkeit, sondern viel wichtiger ist der entscheidende Moment für den Druck auf den Auslöser.

Eine Überlegung

Natürlich macht es Sinn, sich eine Ausrüstung zuzulegen, die den typischen Anforderungen des eigenen fotografischen Themas am besten entgegen kommt. Aber die eierlegende Wollmilchsau wurde noch immer nicht geboren. Wer also tatsächlich meint eine Allroundkamera zu brauchen, wird immer gewisse Abstriche machen müssen. Ich finde deshalb, man sollte lieber erst mal in sich gehen und den eigenen fotografischen Schwerpunkt suchen. Sobald diese Festlegung getroffen ist, kann ich auch viel besser die im Rahmen meines Budgets optimale Ausrüstung zusammenstellen.

Zu meiner Ausrüstung gehören nur folgende Optiken:

Mit den beiden Festbrennweiten bestreite ich zwei Drittel aller Aufnahmen. Das 24-120 ist sehr flexibel, aber oft ist mir die Tiefenschärfe zu hoch. Ich überlege meist sehr genau, ob nicht doch eine Festbrennweite besser wäre. Alles in allem ist die Ausrüstung für meinen Zweck vollständig und ich habe derzeit nicht vor mir noch etwas dazu zu kaufen.

Ein eigenes Studio?

Es kommt mir manchmal fast so vor, als würde ein eigenes Studio den Amateurfotograf zum Ritter schlagen. Wer sich den Luxus Studio leistet, muß es ja wohl wirklich ernst meinen mit seinem Hobby. Aber was heißt hier überhaupt Hobby? Das Studio ist natürlich auch vollgestopft mit handverlesener Technik, mit der man ja auch umgehen können muß. Wer das souverain beherrscht, der hat die Mauser vom Fotoamateur zum Semiprofi hinter sich...

Qualitativ neue Möglichkeiten

Ein Studio eröffnet ganz neue Welten durch die Möglichkeit, das Licht völlig frei einsetzen zu können. Dazu kommt noch, daß man dort völlig ungestört arbeiten kann und unabhängig von Tageszeit und Wetter ist. Mit dem Problem eines störenden Hintergrunds braucht man sich nicht mehr herumzuschlagen, weil die mit einem einzigen Griff herunter gezogene Hintergrundrolle sogar die fest eingebaute Hohlkehle erstzen kann - rundrum also ein Traum!

Ich weiß noch, wie begeistert ich damals war, als ich endlich mein erstes eigenes Studio hatte, das von den Platzverhältnissen zwar nicht ideal, aber doch schon ziemlich gut war. Den Umgang mit dem Licht muß man tatsächlich erst mal mühsam lernen, aber die Erfolgserlebnisse kamen schnell. Mir hat dabei sehr geholfen, daß ich mit Mittelformat fotografiert hab und für eine Kontrolle zwischendurch nur die sündhaft teueren Polaroids in Frage kamen. Der Blick auf den Geldbeutel erzieht da von selbst zu kritischer Aufmerksamkeit und sehr sorgfältigem Arbeiten.

Ich oute mich: Ich habe heute kein Studio mehr.

Die anfängliche euphorische Begeisterung ließ schnell nach. Es kam eine Phase, wo ich mir mit der Handhabung der Studio-Lichtquellen schon recht sicher war und fast jede Lichtstimmung aufbauen konnte, die mir so einfiel (mit kleinen Einschränkungen natürlich durch das begrenzte Equipment). Das macht immer noch Spaß. Aber dann merkt man bald, daß die Bilder zwar technisch und gestalterisch keine Mängel haben, aber leider alle sich dadurch ähnlich sind, daß eine ganz normale, nicht-künstliche Umgebung fehlt. Auch ein paar Requisiten können daran nichts Wesentliches ändern. Man sieht den Bildern die Studio-Atmosphäre einfach an. Um eine glaubhaft echte Umgebung zu simulieren, braucht man einen verhältnismäßig großen Raum und ist immer noch sehr beschränkt dabei.

Irgendwann war mir klar: zu meiner Art von Fotografie paßt das nicht.

Meine Empfehlung

Bevor man sich für teueres Geld ein Studio einrichtet, sollte man sich gut überlegen, ob man auch auf längere Sicht damit glücklich wird:

Wenn man ein oder mehrere Fragezeichen machen muß, sollte man ernsthaft auch andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen:

Wer meint, auf jeden Fall eine leistungsstarke Blitzanlage haben zu wollen, weil ihm die weitgehend freie Gestaltung der Ausleuchtung interessant erscheint, sollte die beiden Begriffe Blitzanlage und Studio nicht als etwas zwingend Verbundenes betrachten. Gerade in letzter Zeit kommen immer mehr ernst zu nehmende mobile netzunabhängige Blitzanlagen auf den Markt. Man bewegt sich preislich zwar mindestens in den gleichen Größenordnungen wie für eine komplette Studio-Blitzanlage, aber ich finde, man sollte sich das mal in aller Ruhe durch den Kopf lassen:

Noch eine Ergänzung:

Ich behaupte natürlich keineswegs, daß ein Studio nur Mist wäre! Ich möchte aber als Denkanstoß geben, daß ein eigenes Studio zwar reizvoll erscheinen mag, bei näherem Hingucken aber nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluß für jeden ist, denn Fotografie im Studio wird immer etwas Begrenztes sein, außerhalb dessen es noch eine Menge anderer Schwerpunkte gibt. Und wer sich trotzdem sehnlichst ein Studio wünscht, muß sich noch lange nicht alles von A bis Z selber zulegen. Man tut also gut daran, erst einmal die verschiedenen Möglichkeiten kritisch zu hinterfragen und nach der preiswertesten zu greifen. - Schließlich kommt auch keiner auf die Idee, daß er auf eine Last-Minute-Flugreise unbedingt das eigene Auto mitnehmen muß. Ich finde, ein Mietstudio ist noch lange nicht die schlechteste Variante!

Zurück zur Ausgangsfrage

Nach meiner Überzeugung ist entscheidend, daß man mit seiner Ausrüstung und seinem überwiegenden fotografischen Thema sich wohlfühlen muß, um gut kreativ tätig werden zu können. Jeder Gedanke, man würde "was versäumen", weil man dieses oder jenes Motiv gerade jetzt nicht fotografiert, ist ein schlechtes Zeichen. Wer seine Welt so ansieht, dem geht es wie denen, die jeden Morgen mit der Hoffnung aufstehen, gerade heute könnte ihnen die Frau ihres Lebens über'n Weg laufen oder die Chance zum Millionenglück begegnen - und dabei vergehen die Jahre...

Aufbauwissen Fotografie

Aktualisiert am 17.7.2012


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