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Aktfotografie-Fotoschule

Das Thema Akt hat nicht nur viele Facetten, sondern es ist auch mit vielen Vorurteilen belastet. Ich kann ehrlich sagen, daß mich diese Vorurteile nicht im geringsten interessieren. Ich finde aber, sie sind doch ein gar nicht so schlechter Anstoß, um sich über die eigene Motivation zur Aktfotografie ein paar Gedanken zu machen.

Das kann auch deshalb ganz nützlich sein, weil es nicht "die" Aktfotografie gibt, sondern teilweise sehr verschiedene Ausprägungen, deren Anhänger Manches abfällig als "das ist doch kein Akt" abtun.

Klassischer Akt

Klassische Aktfotografie ist ungefähr das, was auch das hier rechts gezeigte Bild darstellt:

  • das Modell ist unbekleidet
  • das Gesicht ist entweder gar nicht zu erkennen (z.B. bei Akt-Torsos) oder mindestens abgewandt
  • Ästhetik ist wichtiger als Erotik
  • Pose und Licht lassen oft die Nacktheit eher erahnen als wirklich etwas zu zeigen
  • die Bilder sind meist in Schwarzweiß aufgenommen und fast immer im Studio
  • mit Requisiten geht der Fotograf extrem sparsam um; schon den Fingerring würden manche sicher als Stilbruch ansehen

Klassische Aktfotografie braucht Ruhe

Klassische Aktfotografie ist fernab von jeder Hektik. Die Aufnahmen sind unübersehbar gestaltet und aufgebaut. Das Licht (meistens, aber nicht zwingend, Kunstlicht im Studio) wurde sorgfältig gesetzt und die Pose des Modells natürlich ebenfalls gezielt ausgewählt worden. Alles ist genau so beabsichtigt, nichts dem Zufall überlassen. Ästhetik steht im Vordergrund. Das Bild kann durchaus erotische Ausstrahlung haben, aber immer eher dezent. Das sind Merkmale, die diese Bilder der Kategorie Fine Art Fotografie zuordnen.

Gelungene klassische Aktfotografie ist sicher nicht einfach, aber wegen der ruhigen Arbeitsweise trotzdem auch für den Einsteiger in das Thema Akt geeignet. Auch wenn einem solche Bilder vielleicht etwas langweilig vorkommen mögen und nicht das sind, was man sich eigentlich vorstellt, möchte ich trotzdem jedem Neueinsteiger empfehlen, sich konsequent ein paar Aufnahmetermine Klassischer Akt zu "verordnen". Man lernt nicht nur mit Licht umzugehen (auch available light kommt dafür in Frage), sondern die oft etwas künstlichen Posen entlarven jede noch so kleine Schwäche.

Kein Mensch hat nur Schokoladenseiten. Damit eine Aktaufnahme beeindruckt, ist hier der Fotograf gefordert. Ich will wirklich keinen Schönheitskult betreiben. Mir geht es um etwas ganz anderes: Wenn ich alle Tricks und Kniffe beherrsche, um perfekte Aktaufnahmen eines Modells mit Idealfigur sicher hinzukriegen, werde ich auch einen "ganz normalen" Menschen mit kleinen "Fehlern" leichter so als Akt fotografieren können, daß ansprechende Bilder dabei entstehen und nicht Peinlichkeiten.

Akt und Erotik

Zu einer gelungenen Aktaufnahme gehört auch eine Portion Erotik. Was der Einzelne als erotisch empfindet, kann natürlich sehr unterschiedlich sein, weil es eine Frage der persönlichen Vorliebe ist. Das finde ich auch nicht schlimm. Ich meine aber, der Fotograf sollte ein Gefühl dafür entwickeln, erotisch gedachte Bilder immer so zu gestalten, daß auch für einen Betrachter, der einen anderen Geschmack von Erotik hat, immer noch ein brauchbares Bild übrig bleibt. Ein Bild hat dann erhebliche Schwächen, wenn sich alles auf die erotische Wirkung allein reduziert und kein bißchen auf das Drumrum geachtet wurde.

Beispiel:
Es ist ein Unterschied, ob es als primitiv empfunden wird, wenn die Erotik nicht ankommt, oder ob der Betrachter sagt, schade um das Bild, aber ich mag nun mal generell solche Schuhe und Dessous nicht, und wieso das Modell halb nackt in solcher Umgebung ist, das sagt mir auch überhaupt nichts.

Die richtige Auswahl

Man sieht, erotische Fotografie ist ein heikles Thema, mit dem man leicht auf Ablehnung stoßen kann. Ich meine aber, das sollte einen nicht verschrecken, solange man zu den eigenen Bildern selbst stehen kann. Selbstkritisch sein ist deshalb besonders wichtig. Man tut gut daran, gerade für Aktaufnahmen die Meßlatte besonders hoch zu legen und konsequent nur die Bilder zu zeigen, die man als besonders gut gelungen empfindet.

Ich finde, ein gezielt erotisch gestaltetes Bild darf ruhig provokativ sein und auch ablehnende Reaktionen erzeugen. Man sollte sich davon nicht gleich verunsichern lassen. Weil man sich aber schon um Feedback bemühen sollte, um die eigene Sichtweise nicht ins "freie Schweben" ohne Bezug zur restlichen Welt geraten zu lassen, achte man darauf, daß man das Bild möglichst verschieden orientierten Menschen zeigt und nicht nur im unmittelbaren eigenen Umfeld bleibt.

Wenn man dann trotzdem fast nur negative Kommentare erhält, sollte man stutzig werden und näher nachhaken. Je mehr Mühe und Aufwand man nämlich in ein Bild investiert hat, umso eher schaut man es "mit verklärtem Blick" an und übersieht sogar ziemlich offensichtliche Mängel, weil es ja einfach nicht sein kann, daß dieses Bild nicht der absolute Knaller geworden ist!

Ich kann vor dieser Falle nur warnen: Ein Bild wird nicht durch den betriebenen Aufwand und die Intensität, mit der man sich nach Erfolg sehnt, besser. Auch die größte Mühe kann verpufft sein, und vielleicht sieht man dem Bild diesen Mißerfolg sogar an, was es noch schlimmer macht. Deshalb betrachte man solche Bilder besonders genau und registriere auch die kleinen Mängel, um entscheiden zu können, ob das Bild etwas Eigenständiges ist und diese kleinen Schwächen verkraftet, oder ob man es bei Seite legen und neu fotografieren sollte.

Fetisch

Vorsicht, das ist wirklich kein "genormter" Begriff! Auch wenn Otto Normalverbraucher beim Stichwort Fetisch meist nur Lack und Leder einfallen, ist das nur die Spitze des Eisbergs. Fast alles kann zum Fetisch werden. Der Begriff besagt nur, daß etwas eigentlich Neutrales für den Fetischist eine Wertigkeit hat, die "diesem Etwas" hochgradig sexuelle Erregung zukommen lassen kann.

Ich will hier keinen Vortrag über Fetischismus halten, sondern auf die fotografische Seite eingehen: Allein schon weil Fetisch vom Alltäglichen mehr oder weniger stark abweicht, finde ich es interessant für den Fotografen. Damit aber ausdrucksstarke Bilder entstehen, taugt es nichts, nach dem Motto "jetzt mach ich mal Fetisch" ranzugehen.

Zwei wichtige Regeln

  1. Für den echten Fetischist ist sein Fetisch kein Späßchen, sondern eine ziemlich ernsthafte Sache, was man als Außenstehender nicht ohne Weiteres nachvollziehen kann. Wenn man sich als Fotograf nicht nur lächerlich machen möchte, sollte man sich beschränken und nur solche Themen fotografieren, für die man ein Grundverständnis aufbringen kann, auch ohne daß es für einen selber deswegen gleich ein Fetisch sein muß.
  2. Genauso wichtig ist es, daß man nicht ein Fotomodell wahllos in ein Fetischthema hinein drängt. Für Fetischaufnahmen ist es besonders wichtig, daß man vorher erst einmal klärt, ob Fotograf und Modell eine ausreichende Affinität zum Thema und der Bildidee haben. Alles sonst ist nach meiner Erfahrung wirklich zum kläglichen Scheitern verdammt.

Fetisch-Fotografie braucht echte Begeisterung

Weil Fetisch zwar fotografisch sehr ergiebig sein kann, aber eben auch die gerade angedeuteten Besonderheiten hat, sind gute Fetischaufnahmen kein Kinderspiel. Nur aus Neugier ein bisschen mit den gängigen Klischees rumzuspielen gibt fast immer nur enttäuschende Bilder. Wer das das Thema noch nie fotografiert hat und auf keinen eigenen Fetisch zurück greifen kann, braucht also Geduld und Einfühlungsvermögen, um sich langsam heran zu tasten - aber dann lohnt es auch die Mühe!

Gar nicht zu gebrauchen ist jede Regung, die in Richtung sich-lustig-machen geht, denn dieser Schuss geht leicht nach hinten los und der Fotograf outet sich selbst als wandelnde Peinlichkeit.

Fotograf und Modell

Ob ein Modell für Aktaufnahmen geeignet ist, hängt viel weniger von der Perfektion der Figur usw. ab als vom Selbstbewußtsein des Modells und seinem Vertrauen zum Fotograf. Gute Aktfotos sind kaum hinzukriegen, wenn sich der Mensch vor der Kamera unwohl fühlt, permanent verkrampft ist und darauf bedacht, seine Blöße zu bedecken bzw. nur wohl dosiert sehen zu lassen. Fotografie unter solchen Voraussetzungen ist eine Strafe für beide Beteiligten und der beste Weg zu weitgehend mißlungenen Bildern, die man am besten ganz schnell wieder löscht.

Weil das so ist, liegt auf der Hand, daß man niemals jemand überreden darf - eine fotografische Sünde, der vor allem Amateurfotografen nur zu gern verfallen!

Warum ist das so?

Mehrere Faktoren können eine Rolle spielen. Zum Beispiel, daß man mit einem "Noch-Nicht-Modell" arbeitet, also jemand vor der Kamera hat, der/die eher zufällig dazu gekommen ist oder das halt gern mal ausprobieren möchte. Dabei ist ja nichts Schlimmes, aber man sollte sensibel sein und sich nicht wie der Elefant im Porzellanladen verhalten. Gerade wer zum ersten Mal vor der Kamera steht, läßt sich oft leicht beeinflussen und zu Aufnahmen drängen, von denen vorher keine Rede war. So etwas zu tun ist extrem schlechter Stil und kann sich schnell als Bumerang erweisen. Wenn nämlich enttäuschende Ergebnisse entstehen und sich das "Fotografier-Opfer" auf den Bildern unvorteilhaft dargestellt findet oder auch nur die Fotos herum zeigt und von Anderen kein Lob bekommt, heißt es schnell: "Eigentlich wollte ich das ja auch gar nicht, aber der Fotograf hat mich überredet. Man sieht ja jetzt, daß er gar nicht fotografieren kann. Wahrscheinlich hatte er etwas ganz Anderes im Sinn...".

Auch wenn man mit einem professionellen Modell arbeitet, ist das keine Entschuldigung, daß der Fotograf immer wieder versucht in Richtung Aktaufnahmen zu drängeln ("mach doch noch einen Knopf auf... - und laß den Träger etwas runterrutschen" usw.), wenn das ausdrücklich vorher ausgeschlossen wurde. Ich finde, das Modell reagiert völlig richtig, in so einem Fall die Aufnahmen abzubrechen.