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Fotomodelle finden

Die Modellsuche ist keine Kleinigkeit:
Wer ernsthafte Ambitionen zu etwas anspruchsvolleren Portrait- oder Aktaufnahmen hat, steht meist sehr schnell vor dem Problem ein geeignetes Fotomodell zu finden. Ich hab kein Patentrezept zu bieten, aber ich möchte mit diesem Beitrag wenigstens meine Erfahrungen zusammenfassen und zu ein paar Überlegungen anregen.

Modellagenturen

Für den Amateurfotograf kein brauchbarer Weg. Viele vom Arbeitsamt zugelassene Agenturen (ja, ich weiß, heißt in Deutschland ja jetzt "Agentur für Arbeit") sind meistens schon finanziell uninteressant. Das liegt nicht so sehr daran, weil deren Modelle nun immer um Sovieles besser wären, sondern diese Agenturen sind einfach auf einen Kundenkreis mit ganz anderem Bedarf ausgerichtet (z.B. Werbung), wodurch schon durch den entsprechenden Aufwand der Agentur (Castings, Agenten usw.) im Modellhonorar ein erheblicher Anteil an Kosten für Leistungen enthalten ist, die für den Amateurfotograf völlig sinnlos sind. Nicht wenige Agenturen lehnen auch die Vermittlung an Amateure sowieso ab. Das ist nicht ihr Markt.

Die etwas anderen Agenturen

Damit meine ich Vermittler, die die Arbeitsamtszulassung umgehen, indem sie ihr Angebot in der Art eines Adressverkäufers organisieren. Das ist zulässig, wenn bestimmte Vorgaben beachtet werden. Es findet dann nämlich keine eigentliche Vermittlung statt, sondern der Fotograf zahlt einen festen Betrag für die Kontaktadresse der von ihm ausgewählten Modelle und regelt alles Weitere mit dem Modell direkt. Das muß durchaus nicht unseriös sein, ist aber eine Art von Angebot, die heute mit dem Internet meiner Meinung nach ziemlich überholt ist. Zu überlegen ist es aber vielleicht trotzdem, wenn diese Agentur dadurch positiv auffällt, daß sie nur Modelle in ihrem Verzeichnis hat, die auch entsprechend zuverlässig sind und bei wiederholten Klagen wegen mangelnder Zuverlässigkeit aus der Kartei gestrichen werden.

Modellverzeichnisse im Internet

Das ist heute wohl die am meisten genutzte Kontaktmöglichkeit für Amateurfotografen. Nicht die schlechteste, aber ein paar Besonderheiten sollte man kennen:

  1. Verbindlichkeit:
    In den meisten Modellverzeichnissen kann man sich sehr leicht und kostenlos eintragen. Reine Fake-Einträge fallen meistens bald auf und werden von den Betreibern oft nach einer gewissen Zeit ohne Aktivität automatisch entfernt. Man sollte sich aber klar machen, daß sich in einem solchen Verzeichnis sehr unterschiedliche Personen eintragen, und zwar nicht nur vom absoluten Newcomer ohne jegliche Erfahrung bis zum seit mehreren Jahren tätigen routinierten Modell (dazu gibt ja die Online-Sedcard durch die Auswahl der Bilder ganz gut Auskunft), sondern auch mit sehr unterschiedlicher Motivation. Ein genauerer Blick auf Referenzen und (soweit auf der Plattform vorhanden) Bewertungen ist also keine dumme Idee. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß man mit der Zeit ein ganz gutes Gespür entwickelt, wer zuverlässig ist und wer eher nicht. Ich finde es aber ein gutes Herangehen, wenn man sich nicht blauäugig auf den Inhalt einiger Mails allein verlässt, sondern auf ähnliche ganz naheliegende Vorsicht achtet wie bei einem Gebrauchtkauf. - Wem das zu mühsam erscheint, der hat sich die Landung auf der Nase selbst zuzuschreiben.
  2. Erwartungen:
    Klar ist auch, daß man nicht einfach davon ausgehen darf, daß jedes zufällig ausgewählte Modell für einen auch paßt. Man sollte sich deshalb unbedingt klar darüber werden, nach was man eigentlich sucht:
    • Wie genau steht bereits fest, was man fotografieren will? - Wenn man etwas sehr Konkretes plant, sollte man bei der Modellsuche damit nicht hinterm Berg halten und auch ausdrücklich nachfragen, ob sich das Modell mit dieser Idee auch identifizieren kann.
    • Ein sehr unerfahrener Fotograf und ein ebensolches Modell sind keine gute Kombination. Die Schwächen werden sich potenzieren und wahrscheinlich zu recht unbrauchbaren Ergebnissen führen. Für den Anfang kann es sehr hilfreich sein, ein erfahrenes Modell zu haben. Ich arbeite zwischendurch gern mit Neulingen, schraube dann aber auch meine Ansprüche zurück. Bei einem routinierten Modell frage ich mich nur noch, ob die Pose so rüber kommt, wie ich es wirklich haben will oder ob man sich falsch verstanden hat. Bei einem sehr unerfahrenen Modell muß ich aber noch auf eine ganze Reihe weiterer Dinge achten und kann auch nicht davon ausgehen, daß meine Erklärungen ohne Weiteres einwandfrei umgesetzt werden.

TfP oder bezahlte Modelle?

Eine pauschale Antwort kann ich darauf nicht geben. Grundsätzlich ist natürlich TfP natürlich schon eine Überlegung wert (ursprünglich stand das für Time for Prints, also honorarfreie Zusammenarbeit gegen den Zeitaufwand des Modells; heute wird es meist als Time for Pictures übersetzt).

Was genau bedeutet TfP in der Praxis?

Gemeint ist damit, dass die Beteiligten (also Fotograf, Modell und eventuell noch Visagistin) ihre Kosten selbst tragen. Als Gegenleistung bekommen alle die Bilder. Das Recht zur Nutzung der Bilder ist üblicherweise auf Zwecke der Eigenwerbung beschränkt; als zum Besispiel Präsentation auf der eigenen Homepage und für das Profil auf einschlägigen Internetseiten wie Fotografen- und Modell-Communities. Kommerzielle Verwertung ohne vorherige Rücksprache ist normalerweise ausgeschlossen.

Man merkt schon, dass man sich hier ungewollt auf ein nicht sauber abgegrenztes Terrain begeben kann, das im Zweifelsfall schneller als man denkt zu teueren und sehr ärgerlichen Rechtsstreitigkeiten führen kann. Deshalb sollte man sich ohne Ausnahme zur festen Gewohneit machen, dass man nur mit schriftlichem Modellvertrag Aufnahmen macht, sobald man Menschen so fotografiert, dass sie erkennbar sind.

Eine Erfahrung

So schön TfP von der Grundidee her ist, so deutliche Schattenseiten hat es auch: Vor allem bei Kontakten über das Internet, die heute wohl die deutliche Mehrheit ausmachen dürften, ist in den letzten Jahren eine zunehmende Unverbindlichkeit nicht zu übersehen.

Das kann sehr frustrierend werden, wenn - wie oft der Fall - zwischen dem Lebensalter des Fotografen und dem des Modells eine Generation liegt. Man übersieht dann nämlich leicht, dass 20-Jährige so oft zum Handy greifen, dass es in dieser Altersgruppe völlig selbstverständlich ist, lieber einmal öfter als nötig anzurufen, um sich zu versicern, ob es beim verabredeten Termin denn nun wirklich bleibt. Als angehöriger einer Generation, die das so nicht gewöhnt ist, sollte man also die Verbindlichkeit nicht zu hoch einschätzen, was verabredete Termine betrifft.

Rechnen Sie damit, dass TfP, bei dem ja kein Geld fließt, für Ihr Gegenüber eventuell einen hohen Anteil von »just for fun« haben könnte: Wenn ich Lust, werd ich wohl kommen, aber wirklich festlegen mag ich mich nicht! - Ich beschreibe das aus der Sicht des Fotografen, will aber nicht ausschließen, dass das Problem inzwischen auch wechselseitig sein könnte.

Von wirklich üblen Erlebnissen (in der Art: Studio angemietet, einen Tag frei genommen, Visagistin gebucht - und dann im Regen gestanden...) bin ich bisher verschont geblieben. Ich vermute aber, dass das vor allem an meinem gesunden Misstrauen liegt, aus dem ich im Zweifelsfall von etwas "wackelig" Erscheinendem von vorn rein die Finger lasse.

Keine Verallgemeinerungen

Ich möchte kein Miesepeter sein: Ich habe auch sehr gute Erfahrungen mit TfP gemacht. Die Wahrscheinlichkeit auf einen Flop nimmt deutlich ab, sobald man sich persönlich kennt und auch schon einmal zusammen gearbeitet hat. Deshalb liegt mir viel daran, eine gute Basis zu pflegen und auszubauen. Ich meine, man tut sich als Fotograf wirklich keinen Gefallen, wenn man glaubt, für jeden Fototermin ein neues Modell zu brauchen.

Bezahlte Fotomodelle

Mit bezahlt meine ich solche Fotomodelle, die diese Arbeit selbständig haupt- oder nebenberuflich betreiben und entsprechende Routine mitbringen. Es gibt zwei handfeste Gründe, die vor allem dann für ein bezahltes Fotomodell sprechen, wenn einem ein Projekt sehr wichtig ist und die verfügbare Zeit knapp:

  1. Wer das Modeln als ernsthaften Job betreibt, wird im allgemeinen an positiven Weiterempfehlungen interessiert sein und schlechte Kritiken vermeiden wollen. Geplatzte oder sehr kurzfristig abgesagte Termine kommen deshalb seltener vor.
  2. Je mehr Erfahrung vor der Kamera ein Modell mitbringt, umso leichter hat es meist auch der Fotograf, seine Bildideen rüber zu bringen. Die fotografische Ausbeute wird dadurch höher sein.

Das soll bestimmt nicht heißen, dass TfP-Modelle schlechter sind. Es gibt sehr gute und hoch motivierte darunter. Weil die aber oft einen anderen Beruf haben, der nur begrenzt Zeit übrig lässt, sind diese Modelle meist auf längere Zeit hinaus schon verplant.