Untermenüs finden Sie am Seitenende.

Infrarot und Schärfe-Probleme

Weil ich selber damit auch wechselnd (un)angenehme Erfahrungen gemacht habe, möchte ich dazu mal ein paar Zeilen schreiben:

Scharf stellen

Egal ob manuell oder mit Autofokus, bei Infrarot kann man nicht naiv davon ausgehen, daß ein im Sucher (also im sichtbaren Licht) scharf erscheinendes Bild auch im infraroten Licht scharf wiedergegeben wird. Ursache ist, daß die Brechung innerhalb des Objektivs auch von der Wellenlänge abhängig ist. Weil Kameraobjektive normalerweise für die Benutzung bei sichtbarem Licht gedacht sind, wird so ein Objektiv meistens auch nur für diesen Spektralbereich optimiert.

Festbrennweiten haben oft eine Punktmarkierung, die die korrekte Unendlich-Einstellung für infrarotes Licht anzeigt. Wenn man die Scharfstellung entsprechend manuell korrigiert, sollte auch ein IR-Bild jetzt scharf werden. Diese Korrektur muß man aber bei jedem Bild vornehmen und darf sie nicht vergessen.

Zoomobjektive

Eine solche Punktmarkierung gibt es bei Zoomobjektiven meist nicht, weil die erforderliche Korrektur nämlich von der eingestellten Brennweite abhängig ist. Anders als man vielleicht erwarten würde weichen kurze Brennweiten stärker ab als lange. Im echten Telebereich ist eventuell gar keine Korrektur zum sichtbaren Licht nötig.

Apochromatische Objektive

Neuere Zoomobjektive (vor allem die teureren) sind oft apochromatische Konstruktionen. Das bedeutet, sie sind so berechnet, daß die Abhängigkeit des Scharfpunkts von der Wellenlänge des Lichts vermieden wird. Erreicht wird das durch einzelne Linsen aus speziellen Glassorten. Obwohl das meistens nur für den sichtbaren Spektralbereich berücksichtigt wird, ist die Abweichung im Infrarotbereich bei diesen Objektiven auch mindestens sehr stark reduziert oder - wenn man Glück hat - gar nicht vorhanden.

Das bedeutet: Apochromatische Objektive sind eine gute Wahl für Infrarot-Aufnahmen!

Leider ist nicht ohne weiteres gleich zu erkennen, welche Objektive Apochromaten sind, denn jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen und tauft seine Objektive phantasievoll. Nur bei Sigma heißen diese Objektive Apo. Nikon nennt sie ED, und wie sie bei anderen Herstellern heißen weiß ich nicht. Kann man aber sicher rausfinden, wer's wissen will.

In Wirklichkeit sind die Mehrheit solcher Objektive aber keine "richtigen" Apochromaten, sondern nur Halb-Apochromaten (nur ein Teil des Spektrums ist vollständig korrigiert). In der Praxis merkt man das aber kaum und braucht sich deshalb drüber keine grauen Haare wachsen zu lassen.

Spezialfall umgebaute Kameras

Wer mit einer für Infrarot umgebauten Kamera fotografiert (umgebaut heißt, daß der interne Sperrfilter entfernt und durch einen anderen Filter ersetzt wurde), hat eventuell ein ganz anderes Problem: Man kann beim Umbau oft wählen, wie man den Autofokus justiert haben möchte (Korrektur auf konventionelle Objektive oder Einstellung auf Apochromaten, also weitgehend normale Einstellung ohne spezielle Korrektur). Je nachdem, wie man sich entschieden hat, muß man also bei den anderen Objektiven von Hand nachregeln.

Ich hab das unterschätzt und eine Menge nicht ganz scharfer Bilder gemacht, weil man das bei Zooms eben doch nicht für jede Brennweite und Entfernung genau genug trifft. Schließlich war's mir zu blöd und ich hab mir ein älteres nicht apochromatisches Zoom für die Infrarot-Kamera zugelegt, und jetzt hab ich diese Sorgen los (meine Kamera hat IR-korrigierten Autofokus für konventionelle Objektive).

Trotzdem testen!

Egal mit was für einer Kamera und mit was für einem Objektiv man Infrarot fotografiert, man sollte auf jeden Fall erst mal Testaufnahmen unter verschiedenen Lichtbedingungen und mit verschiedenen Blendeneinstellungen machen, denn was beim einen Objektiv wunderbar funktioniert geht beim andern in die Hose, weil eben Infrarot außerhalb des Bereichs liegt, um den man sich bei der Konstruktion des Objektivs näher gekümmert hat.