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Foto-Biographisches

Ein langer Weg:

So was wie eine spezielle Biografie konsequent unter dem Aspekt Fotografie gesehen. Der Beitrag ist lang. Sehr lang sogar. Aber er umfasst inzwischen auch einen Zeitraum von satten 50 Jahren. Ich denke, da darf man auch vom Leser etwas Geduld erwarten...

Dieser Text ist gewiß nicht wichtig, aber weil ich immer wieder danach gefragt werde, wie ich eigentlich zur Fotografie gekommen bin: Na gut, wen es wirklich interessiert, der kann es jetzt hier nachlesen!

Eine längere Geschichte

Fotografie hat mich eigentlich schon fast immer interessiert. Mein Vater hatte seot Mitte der 50er Jahre eine "ADOX Golf", eine kompakte 6x6 Rollfilm-Kamera mit versenkbarem Objektiv. Als Kind hat mich daran natürlich begeistert, daß man einen Knopf neben dem Auslöser drückien konnte, wodurch ein Federmechanismus betätigt wurde, der sich sprunghaft den Balgen entfalten und das Objektiv nach vorne schnalzen ließ. Mensch, das war was Tolles, an dem ich mich gar nicht satt spielen konnte (ich durfte allerdings nur ab und zu mal, denn "der gute Foto" mußte ja geschont werden). Immerhin, wenn gerade kein Film drin war (selten genug, denn die 12 Bilder mußten ja erst "voll werden"!), durfte ich nach Herzenslust den Verschluß spannen, die Zeiten ausprobieren und "knipsen" (ohne Film natürlich...).

Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie hat mich damals schon die Technik besonders begeistert. Auf dem Objektiv war eingraviert 6,3/75, und die Zeiten konnte man auf Werte von 25, 50, 100, 300 und natürlich B einstellen. Die Blende ging stufenlos in sehr seltsamen Abständen, und ich weiß noch, daß man den Regler über 22 hinaus bis zum geheimnisvollen Wert "f" weiter schieben konnte.

Ein wahrer Festtag war es, wenn mein Vater "knipste" und ich dann den Film bis zum nächsten Bild weiterdrehen durfte. Nur zu diesem Zweck durfte auf der Rückseite der Schieber geöffnet werden, der durch ein sehr dunkelrotes Glas den Blick auf eine Zahl - die Bildnummer - frei gab.

Diese Erinnerung muß ungefähr von 1962/63 gewesen sein, denn ich weiß, daß ich schon in der Schule war.

Eine eigene Kamera

1969, zur Konfirmation, bekam ich die erste eigene Kamera: eine Kodak Instamatic mit dem Filmformat 126 (Negativgröße 28x28 Millimeter). Trotz Fixfokus und fester Belichtungszeit von 1/90 Sekunde, die man durch Aufstecken eines Blitzwürfels auf 1/45 Sekunde umschalten konnte (Trick: bereits ausgebrannten Blitzwürfel nehmen!) war die Bildqualität gar nicht übel (meistens im Format 9x9 cm, nur sehr selten im kostspieligen Format 13x13 cm). Ich hätte schon damals gern viel mehr fotografiert, aber leider war der Preis von deutlich über 1 Mark pro Bild irgendwie mit meinem Taschengeld einfach nicht kompatibel, und der Film (wahlweise 12 oder 20 Bilder) war auch immer eine größere Investition. So lag die schöne Kamera leider überwiegend rum.

Ein zweiter Anlauf

Nach meinem Schulabschluß 1974 standen - natürlich erst nach dem zweiten Anerkennungsverfahren vor dem mehr als üblen Prüfungsausschuß, wie damals halt üblich - 20 Monate Zivildienst an. Mag sein, daß es damit zusammenhängt, daß man sich das Anrecht auf Zivildienst statt Bundeswehr erst so mühsam erkämpfen mußte - ich kann es heute nicht mehr nachvollziehen, aber der Zivildienst war eine von heute aus betrachtet verblüffend positiv erlebte Zeit. Ich hatte immer noch ziemlich viel freie Zeit ("Heimschläfer" - also morgens um acht bei der Dienststelle antreten und spätestens so gegen fünf Feierabend, Wochenenddienst nur sehr gelegentlich) und - viel wichtiger! - sogar plötzlich einigermaßen Geld (rund 400 Mark bei kostenlosem Mittagessen war Mitte der 70er ganz passabel, wenn man davor gewöhnt war, mit dem Taschengeld auszukommen; ein feiner Nebenjob dazu - Mercedes Jahreswagen überführen (ich bin in der Daimlerstadt Sindelfingen aufgewachsen) - machte das Glück perfekt).

Natürlich hatte ich auch eine Freundin (die Schwester meines besten Schulfreunds - wie einfallslos!), und da liegt es ja auch nicht sooo fern, mal zur Kamera zu greifen...

Mit mittlerweile 20 Jahren und deutlich gewachsenem Interesse an möglichst guten Bildern konnte mich die simple Kodak Instamatic natürlich bald nicht mehr vom Hocker reißen. Ich war zwar kein Krösus, aber es war dann doch bald der Betrag zusammengespart, der für eine gebrauchte Praktika LLC mit 1,7/50 reichte. Ein gebrauchtes 2,8/35 und 2,8/135 kamen dazu (beide von Beroflex, die Qualität gar nicht übel).

Begeisterung auf der ganzen Linie!!!

Weitere Meilensteine

Ich mach's kurz: der Virus hatte mich gepackt. Die Praktika war leider extrem reparaturanfällig. So hatte das keinen Sinn. Eine Yashica TTL-E kam stattdessen her (immer noch mit E42 Schraubgewinde, weil ja die Objektive weiterhin passen sollten). Weil Farbabzüge nicht nur immer noch teuer waren und die Qualität trotzdem oft nicht wirklich überzeugend und bei Foto Wirth in Herrenberg für unglaubliche 99 DM ein komplettes SW-Labor inklusive 100 Blatt Agfa-Papier 9x13 chamois im Angebot war, mußte ich natürlich zuschlagen. - Die lange Schwarzweiß-Phase begann (zunächst noch sehr improvisiert, aber schon bald mit sehr brauchbaren Ergebnissen)!

Schwarzweiß-Laborarbeit ist nicht so easy wie viele heute glauben, aber man hat schon nach Überwinden der ersten kleinen Hürde erste Erfolgserlebnisse, und man kann die nächsten unmittelbaren Ziele zur Perfektionierung schon vor Augen sehen. Selbst sehr einfache Technik reicht ziemlich lange (mein "Timer" war mehrere Jahre einfach der Sekundenzeiger meiner Armbanduhr; zusätzliche Anschaffungen machen die Laborarbeit bequemer, sind aber überwiegend entbehrlich). Der Rest ist vor allem Fleißarbeit und Routine. Ich bin mir sicher, daß ich auch heute noch nach wenigen Minuten Wieder-Einarbeitung ohne Hilfsmittel wie Labor-Belichtungsmesser o.ä. ein tadelloses SW-Bild im Format 30x40 cm printen könnte. - Technik einer Zeit, an die ich manchmal etwas sehnsüchtig zurück denke, denn für das letzte Quentchen perfekter Laborarbeit war eine Menge Übung nötig - aber man verlernt es genauso wie schwimmen oder radfahren nicht mehr, denn es ist vor allem "Feeling".

Einen vergleichbar niederschwelligen Einstieg mit so schnellen Erfolgserlebnissen bietet die Digitalfotografie heute nicht.

Aber bei Digitalfotografie sind wir noch lange nicht, sondern erst im Jahr 1980: Ich hab gerade nach sechs Semestern mein Physikstudium abgebrochen (hauptsächlich deshalb, weil mir die Computerei in die Quere kam - anfangs noch mit Lochkarten! - und dann viele Nächte gemopst hat, die tagsüber in den Vorlesungen dann gefehlt haben; aber das ist ein anderes Thema...). Physik ist also abgehakt, eigentlich sogar von der Lust her Studium insgesamt. Ich möchte was Praktisches machen. Fotografie reizt mich sehr - aber wie??? Ich sehe damals nur die Möglichkeit einer handwerklichen Lehre (im Laden Filme verkaufen, Paßbilder knipsen, Hochzeiten fotografieren - schon damals für mich der Horror schlechthin!) oder ein Studium als Fotodesigner (damals kam vor allem Essen als FH in Betracht). Weil ich aber nach dem gerade abgebrochenen Studium "auf Nummer sicher gehen" möchte, suche ich erst mal Kontakt zu Absolventen dieses Studiengangs. Der erste, der mir begegnet, hat gerade seinen ersten bezahlten Job gefunden. Fotografie für einen Versandhauskatalog. Momentan fotografiert er die vierte Woche Haushaltsartikel (diese Woche ist Geschirr dran). Sein zum Himmel schreiender Frust ("immer nur Haushaltskram, und das nach sechs Semestern Studium!!!") versetzt mir einen so nachhaltigen Schreck, daß Fotografie sofort abgehakt ist.

Schließlich fange ich doch noch mal ein Unistudium an, das ich dann auch fertig mache (Psychologie - aber auch das ist eine andere Geschichte, auf die ich jetzt nicht näher eingehe).

Ein unscheinbares Praktikum

Im neuen Studium setze ich andere Schwerpunkte. Die Computerei lasse ich nicht fallen, aber sie kommt aufs Nebengleis (und das war auch gut so, von heute aus gesehen). Bevorzugt "nebenher" will ich mich aber mit der Fotografie befassen. Ich nehme mir vor, jedes dafür halbwegs brauchbar erscheinende Seminar oder Praktikum mitzunehmen, das an der Uni angeboten wird. Das erste ist das "Praktikum Wissenschaftliche Fotografie", das in der Angewandten Physik angeboten wird (komisch, daß mir das erst jetzt aufgefallen ist!). Und es ist für mich die Traum-Veranstaltung schlechthin, die ich in über drei Jahren Studium erlebt habe: Zwölf halbtägige Praktika mit der besten technischen Ausstattung, die man sich nur vorstellen kann, und zu jedem Praktikumstermin noch eine zweistündige Vorlesung, die im Detail die theoretischen Hintergründe jeder einzelnen Aufgabe behandelt! Und weil das eines der Wahlfächer ist, herrscht kein Gedränge: auf zwei Studenten kommt für jeden Praktikumstermin ein Tutor.

Um es abzkürzen: Ich konnte schon vorher ganz ordentlich fotografieren, aber ich bin ein Mensch, der bei seiner Arbeit gern wissen möchte, warum es gerade so und nicht anders der optimale Weg ist; mit "but it works" bin ich nicht zufrieden zu stellen. Genau diese Lücke wurde in diesem Praktikum geschlossen, und es war für mich so fruchtbar, daß ich ein Jahr später das gleiche Praktikum ein zweites Mal besucht und wieder davon profitiert hab, weil ich dieses Mal ja schon wußte, was kommt, und mit vielen vorbereiteten Fragen angerückt bin (der arme Assi tut mir heute noch leid! - aber er hat seine Aufgabe recht gut erfüllt).

Format zeigen

Schon nach dem ersten Praktikumsdurchlauf war mir schnell klar, daß "mein" Format größer als Kleinbild ist. Korn war jetzt mein erklärter Feind. Kein Problem, mit der einigermaßen preisgünstig gebraucht erworbenen Zenza Bronica S2A (6x6-Format) und der Verarbeitung im eigenen Labor war das auch bei großen Abzügen machbar. Das Format wuchs später weiter (6x7 cm mit der Mamiya RB 67, die auch derbe Behandlung bei mir 15 Jahre einwandfrei überstanden hat), und der Spleen der Kornfreiheit auch (Agfa APX 25, also Film mit ISO 25(!) Empfindlichkeit - aber ich geb zu, ich hab diese Negative nie wirklich auch nur annähernd ausgereizt). Auch wenn es teilweise nicht viel mehr als eine fixe Idee war, für mich war es wichtig, weil ich schon damals fotografisch eine klare Orientierung hatte und nie wie viele Andere wild drauflos geknipst hab (Großformat 4x5 inches mit schwarzem Tüchlein überm Kopf kam auch noch, war aber nur eine kurze zusätzliche Episode).

Schlüsseljahr 1985

Fotografie war schon längst deutlich mehr als nur noch Hobby. Mir war klar, "daß es bleiben wird", also etwas langfristig Planbares ist. Verschiedene ganz gut bezahlte Assistentenjobs bei einem Fotografen aus der Nachbarschaft und erste VHS-Kurse kamen als kleinere Einnahmequellen für das schon etwas in die Länge gezogene Psychologie-Studium, dem noch etliche Scheine fehlten.

Am Rande eines kleinen Fotoauftrags für eine Theatergruppe ergab sich ganz zufällig eine Bekanntschaft. Schnell war klar, wir interessieren uns beide intensiv für Fotografie, und das Thema Mensch ganz besonders. Da wir uns (natürlich ebenfalls gaaaanz zufällig...) beide gerade ein Fast-Urlaubssemester gönnten, war nix naheliegender, als das zusammen mit voller Power anzugehen.

Es war wirklich das, was man als eine Symbiose bezeichnet. Mir wurde zum ersten Mal klar, was Fotografie mit einem wirklich engagierten Model bedeuten kann. Die meisten Ergebnisse waren sehr ansehnlich, aber da wir uns gestalterisch erst "zusammenraufen" mußten, ging es natürlich nicht ohne größere Konflikte bis hin zu kräftigen Auseinandersetzungen ab. So anstrengend es auch war, kann ich heute doch guten Gewissens sagen, daß das sowas wie mein "Lehrjahr" für die gestaltete Fotografie von Portrait bis Akt war, und einige der Bilder von damals sehe ich auch über 20 Jahre später als welche meiner besten Arbeiten an.

Akt, Ruinen - und Arbeit

Weil ich als Kind nie so richtig abenteuermäßig unterwegs sein durfte, ist wohl der Reiz alter Gemäuer bei mir entstanden und geblieben, und zwar ganz besonders alte Industrieruinen. Das hab ich immer wieder fotografiert (es gab auch eine sehr ansehnliche Ausstellung dazu), und eigentlich lag es nur auf der Hand, daß Industrieruinen meine bevorzugte Umgebung für Aktfotografie wurden (spätestens seit ungefähr 1988/89). Und das blieb auch lange mein Thema.

Weil der Abschluß meines Studiums ungünstig mit einer schwierigen Zeit auf dem Arbeitsmarkt für Psychologen zusammen fiel, lag es fast auf der Hand, ersatzweise mein Glück mit der Fotografie zu versuchen. Zusammen mit einem Freund wurde ein ziemlich kleines Studio mit angeschlossenem SW-Labor eingerichtet. Die Einnahmen waren mehr als bescheiden, aber doch besser als nix. Seit 1989 hab ich auch immer wieder Akt-Workshops organisiert. Das war damals noch eher was Seltenes und lief ganz gut. Und ich hatte Models verfügbar, mit denen ich natürlich vor oder nach dem Workshop auch noch selber fotografiert hab - natürlich meistens nicht im Studio, sondern in irgendeiner Ruinen-Kulisse!

Die Fotografie wurde etwas auf Sparflamme herunter gefahren, als ich dann eines Tages doch einen Teilzeit-Job in meinem "richtigen Beruf" hatte. Das war ganz gut so, denn ich hatte immer noch genug Zeit und konnte wieder Just-for-Fun-Fotografie betreiben (die Workshops blieben aber).

Obwohl meine jetzige Arbeit nicht gerade das war, was ich mir erträumt hätte (Wissenschaftlicher Angestellter an einem Institut für Erwachsenenbildung; mein Interesse ging aber eigentlich in Richtung Psychiatrie), entwickelte sich das überraschend positiv, weil ich viel Freiraum zur eigenen Weiterbildung hatte - und das ging in Richtung EDV/Programmierung. Dafür auch noch bezahlt zu werden war eine feine Sache. Irgendwann kam mir dabei auch ein sehr interessantes Programm mit dem Namen Photoshop in die Hände (Version 2.5 - muß etwa 1992 gewesen sein)...

Wechsel in die Selbständigkeit

1995 erschien es mir vielversprechend und attraktiv, mein inzwischen erworbenes Wissen neu einzusetzen. Ich hab mich selbständig gemacht (zunächst mit Schulungen im Multimedia-Bereich und natürlich auch Photoshop). Eine Erfolgsstory wurde es nicht, aber ich bin immer noch selbständig tätig und bereue es trotz immer wieder schwieriger Phasen auch nicht. - Aber das gehört hier nicht her.

Fotografie war jetzt überwiegend Freizeitbeschäftigung, aber das Thema Akt und Ruinen war geblieben, und immer noch mit Mittelformat. So langsam war zu ahnen, daß Fotografie eines Tages doch auch ohne Film funktionieren würde, aber es schien noch sehr, sehr weit weg: 1998 hatte ich zwei Wochen lang die Kodak DCS 460 zum Testen zur Verfügung, eine Spiegelreflex mit 6 Millionen Pixel und Verlängerungsfaktor 1,3. Feine Sache - bloß der Preis von knapp 65.000 DM war jenseits von gut und böse (und das bei noch erheblichen Schwächen: Langzeitbelichtungen von mehr als 1/2 Sekunde gingen hoffnungslos im puren Rauschen unter)! Ganz im Ernst, ich hätte damals niemals damit gerechnet, daß es keine 10 Jahre dauern würde, bis analoge Fotografie fast schon verdrängt sein würde.

Photoshop

Spätestens mit Version 4.0 war Photoshop so leistungsfähig geworden, daß auch bei analoger Fotografie der Weg der Bilder in den Rechner attraktiv wurde (bezahlbare ordentliche Scanner kamen bald). Ich weiß nicht mehr, wann ich mein schönes Labor dann endgültig eingemottet hab, aber es muß irgendwann um 1998/99 gewesen sein. Ich hatte inzwischen nämlich auch einen Kodak Thermosublimationsdrucker (Format A4plus, Kaufpreis 15.000 DM), dessen Ausdrucke trotz horrendem Preis für das Verbrauchsmaterial als Dienstleistung sehr gefragt waren (vor einigen Jahren hab ich ihn verschenkt, fällt mir gerade ein; das Verbrauchsmaterial ist nämlich immer noch unverschämt teuer).

Fotografie und Photoshop wurden bei mir schon früh "Harmonie pur". Photoshop gehört zu den ganz wenigen Programmen, an denen ich nur sehr wenig wirklich zu meckern hab.

2004

Digitalfotografie hatte es bei mir über eine kleine digitale Ixus nicht hinaus gebracht. Ich war rundrum zufrieden mit meiner zweiäugigen Mamiya C330 (ohne eigene Laborarbeit war die klobige RB67 nicht mehr interessant gewesen). Und ich glaub, das hätte auch noch ein Weilchen gehalten (okay, das Scannen war lästig...), wenn mich nicht Ende März aus heiterem Himmel eine linksseitige Hirnblutung "niedergestreckt" hätte (Intensivstation, Neurologie, Reha...). Die Feinmotorik rechts kam nicht mehr vollständig zurück. Das Handling mit der vollmechanischen Kamera war erst mal mühsam. Und wenn das schon nicht mehr ganz so selbstverständlich wie früher geht, dann kommt natürlich der Gedanke auf...

...eine DSLR muß her!

Es wurde eine Fuji Finepix S2 Pro. Die Mittelformat-Ausrüstung hab ich dafür verkauft (als mechanisches Juwel war ja noch die Leica M6 da). Ich hab mich schnell dran gewöhnt - und nach einem halben Jahr hatte ich fast 3000 Digitalbilder geschossen und noch immer den zweiten Film in der M6. Dafür war sie dann doch zu teuer! Ich hab mch nach kurzem Zögern davon getrennt, bin seither ganz auf Digital und bereue es nicht. Im Gegenteil: Ich möchte die Digitale einfach schon wegen der schnellen Möglichkeit, die Bilder auf dem Monitor zu haben, nicht missen.

Das andere System zeigt seine Auswirkung

Man ahnt (und sieht's hier auf den Galerieseiten) schon: Mein Thema war noch immer Akt und Ruinen, und das überwiegend in Schwarzweiß. Zum Systemwechsel kam als wesentlich dazu, daß ich meine eigenen Bilder schon eine ganze Weile "satt hatte". Alles war sehr statisch und fast steril. Es fehlte Leben (früher war das anders!), das ich einfach nicht mehr in die aktuellen Bilder reinkriegen konnte. Es hatte sich tot gelaufen.

Was dann kam, kann man in "Meine Arbeit heute - Juni 2005" nachlesen.

Und dann?

In der Folge ging natürlich nicht alles so glatt und zügig weiter. Trotz diverser Fallstricke, Stolpersteine und zu schluckender Kröten ist die Fotografie inzwischen wieder ein sehr zentrales Element geworden - auch im Bezug auf Arbeit. Dieser Umbau hat viel Kraft und Mühen gekostet und ist natürlich finanziell nicht unproblematisch gewesen. Auch wenn er noch nicht abgeschlossen ist und mir noch Einiges größeres Kopfzerbrechen bereitet, hab ich doch das immer sicherere Gefühl mich mit diesem Wechsel richtig entschieden zu haben.

Mein WEG ZUR FOTOGRAFIE ist (hoffentlich) noch lang nicht am Ende angelangt und sieht trotz einer ganzen Menge Nebel drumrum momentan so aus, als würden sich einige "Ankerplätze" finden, von denen ich neue Ideen anpacken kann.

Einer davon ist dann bald die Digitale Infrarotfotografie geworden, die inzwischen ja sogar ein eigenes Buch hervor gebracht hat. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht.

Schaumermal... :-)