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Automatik oder manuell?

Zeitautomatik, Programmautomatik, Blendenautomatik, Vollautomatik, Motivprogramme...

Fast jede Kamera hat heute eine Vielzahl unterschiedlicher Automatiken. Oft ist guter Rat teuer: Wann soll ich was verwenden? Diese Lektion bringt Licht in das Dunkel.

Fragt man Anfänger, was sie am vorrangigsten lernen wollen, kriegt man oft zu hören: "Ich möchte mit meiner Kamera im manuellen Modus fotografieren können!" Dahinter steht ein ziemlich kurioses Verständnis von "manuell". Was auch immer es genau sein mag, muss es auf jeden Fall "etwas Besonderes" sein. Etwas, mit dem man Dinge tun kann, die jedem Automatikprogramm wohl verschlossen bleiben müssen.

Die Bedeutung von Automatik wird da stark verallgemeinert: Etwas dem man "ausgeliefert" ist und über das man keine Kontrolle hat. Die Kamera macht das selber. Ob das aber wirklich so ist, das hängt stark von der Art der Automatik ab. Man kann die Automatiken in drei Typen unterteilen:

  1. Schärfenautomatik
  2. Belichtungsautomatik
  3. Motivprogramme

Schauen wir uns also einmal an, welches die wesentlichen Merkmale sind und wodurch sie sich in der Handhabung für den Fotograf unterscheiden.

MessfelderSchärfenautomatik

Der Autofokus ist eine Funktion, die zu nutzen durchweg Sinn macht, weil man mit den Suchern heutiger Kameras kaum so exakt scharfstellen kann wie der Autofokus. Bei digitalen Spiegelreflexkameras liegt es daran, dass der Bildsensor bei den meisten Kameras nur so groß ist wie früher das Fimformat einer APS-Kamera. Dementsprechend klein ist auch der Sucher. Dazu kommt noch, dass meistens auf Scharfstellhilfen wie z.B. Schnittbild-Indikator verzichtet wird.

Bei den digitalen Kompaktkameras ist der Schärfebereich wegen der kurzen Brennweite im allgemeinen so groß, dass sowieso das meiste von vorn bis hinten scharf ist (Ausnahme: Makroaufnahmen).

Sie sollten sich aber auf jeden Fall so weit mit dem Autofokus Ihrer Kamera vertraut machen, dass Sie wissen, welches der Messpunkt im Sucher ist. Man kann nämlich bei den meisten Kameras diesen Messpunkt verschieben. Wenn man das unabsichtlich tut und nicht darauf achtet, wird das Hauptmotiv dann chronisch unscharf - also Vorsicht!

EinstellradBelichtungsautomatik

Es gibt verschiedene Automatikfunktionen für die Belichtung, die sehr unterschiedliche Auswirkung auf die Freiheit des Fotografen haben:

Motivprogramme

Die sogenannten Motivprogramme habe ich rot gekennzeichnet. Es gibt Kameras, die weit über 20 Motivprogramme haben. Alle Motivprogramme sind Vollautomatiken, das heißt der Fotograf gibt die gesamte Steuerung und damit auch wichtige kreative Entscheidungen aus der Hand und überlässt sie der Kamera.

Die Benutzung eines Motivprogramms (z.B. Portrait) bedeutet faktisch, dass man sich ohne Rückfrage dem anschließt, was die Konstrukteure der Kamera zum Patentrezept für diese Art von Motiv deklariert haben. Dazu gehört nicht nur die Entscheidung, wieviel Tiefenschärfe das Bild bekommen soll, sondern auch ob, wann und wie geblitzt werden soll, welche ISO-Einstellung verwendet wird und vieles mehr.

Ist es das wirklich, was Sie unter kreativer Fotografie verstehen?

Was Motivprogramme leisten

Nichts, was Ihre Kamera nicht sowieso kann! Ein Motivprogramm ist nichts anderes als »Foto-Einstellungen aus der Konservendose« - ein Mix vorbereiteter Einstellungen, die Sie genauso gut auch selber vornehmen können, wenn Sie wissen, was Sie tun! Nach meiner Meinung macht es keinen Sinn Motivprogramme zu verwenden. Überlegen Sie lieber, wie Sie Ihr Bild gestalten wollen und was zu berücksichtigen ist.

Beispiel Wasserfall: Sie können das Wasser fließend-verwischt abbilden (dann lange Belichtungszeit und Stativ verwenden ) oder so, dass man jedes einzelne Tröpfchen sehen kann (Blende ganz auf machen, damit die kürzest mögliche Zeit genommen wird; wenn nicht in direkter Sonne, dann den ISO-Wert auf 400 stellen, damit kürzere Belichtungszeit geht; eventuell zusätzlich reinblitzen)

Die Motivprogramme sind nur Bluff für unwissende Kunden. Der Nachteil ist, dass Sie nichts lernen, wenn Sie immer nur diese Programme nutzen. Im Beispiel Wasserfall machen Sie vielleicht am Anfang ein paar Fehler, lernen aber jedes Mal unmittelbar was dazu. Wenn Sie fleißig fotografieren, kommen Sie schon bald gar nicht mehr auf den Gedanken, zu einem der Motivprogramme zu greifen!

Welche Automatik macht Sinn?

Es ist nicht nötig, dass Sie die manuelle Einstellung als reinen Selbstzweck verwenden. Ich fotografiere wahrscheinlich 98 % meiner Bilder mit der Zeitautomatik, denn alle wesentlichen Entscheidungen kann ich dabei genauso frei treffen als bei manueller Einstellung. Der Unterschied ist eigentlich nur, dass ich im einen Fall Zeit und Blende beide von Hand übertrage und im anderen Fall erst die Blende einstelle und den Messwert des Belichtungsmessers direkt übernehmen lasse. Wenn ich meine, ich möchte das Bild etwas knapper belichtet haben, stelle ich einfach einen entsprechenden Korrekturwert ein - fertig (zurück stellen nachher nicht vergessen!).

Schauen Sie nach, wo diese Funktion bei Ihrer Kamera ist. So gut wie jede Kamera hat so etwas.

Sie können auch bei Bedarf mal mit Spotmesung arbeiten (das muss man aber können; am Anfang werden Sie viele Fehlbelichtungen kriegen) und diesen Messwert festhalten. Ist aber ein Thema, das schon etwas spezieller ist.

Ob Sie Zeitautomatik oder Blendenautomatik verwenden ist überwiegend Geschmackssache. Die Funktionalität ist aber gleichwertig; eben nur von der einen oder von der anderen Seite her angepackt.