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Gratis-Tutorial Fotoschule: Grundlagen der Fotografie mit Blitz

Das lernen Sie hier:

Ziel dieses Betrags ist es, die Ursache für eine der häufigsten Schwächen vieler Blitzfotos zu erklären und Möglichkeiten zu zeigen, wie es besser gemacht werden kann.

Fast alle Digitalkameras haben einen (meist nicht sehr großen) Blitz eingebaut, der sich im Automatikmodus von selbst zuschaltet, wenn die Belichtungsautomatik der Meinung ist, jetzt sei das Licht zu schwach, um verwacklungsfrei zu fotografieren. Spricht ja eigentlich nichts dagegen, könnte man meinen. Aber man sollte sich die Auswirkungen besser etwas genauer ansehen. Es leuchtet unmittelbar ein, dass der Blitz den Charakter des Bilds verändern wird. Um zu verstehen wie, brauchen wir etwas Theorie.

Blitz und Lichtabfall verstehen

Die Helligkeit einer Lichtquelle folgt einem einfachen Gesetz. Sie nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab. Das heißt, in der doppelten Entfernung haben wir für eine gleich große Fläche nur noch 1/4 des Lichts zur Verfügung, in der dreifachen 1/9 usw.

So sieht das dann in der Wirklichkeit aus.

Ein Schlaumeier könnte jetzt sagen: "Ist ja klar, dass es hinten dunkler wird! Da war der kleine Blitz nicht stark genug. Ein stärkerer Blitz muß her!" - Natürlich hilft das nicht, denn wenn wir den Blitz so stark machen, dass auch die Garagenwand im Hintergrund noch genug Licht abkriegt, würde nach dem oben gezeigten Gesetz dann eben der Vordergrund entsprechend heller, also überbelichtet!

Weil es sich bei diesem Problem um ein physikalisches Gesetz handelt, ändert auch die beste Technik nichts daran. Als Fotograf muß man sich den Zusammenhang bewusst machen und beim Fotografieren berücksichtigen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, hier Abhilfe zu schaffen:

  1. Tiefe vermeiden
    Oft kann man den Aufnahmestandpunkt so verändern, dass dem Bildausschnitt die Tiefe genommen wird. Im obigen Beispiel hieße das, statt an der Hauswand entlang zu fotografieren, tritt man ein paar Meter vom Haus weg und fotografiert es frontal. Dann sind nämlich alle bildwichtigen Elemente in ungefähr gleicher Entfernung von der Lichtquelle.
  2. Indirekt blitzen
    Wenn man einen Blitz hat, dessen Reflektor sich nach oben schwenken lässt (bei den meisten eingebauten Miniblitzen geht das leider nicht) und in einem nicht allzu hohen Innenraum fotografiert, kann man den Blitz schräg nach vorn gegen die Decke richten (man spricht von indirektem Blitz), was eine großflächige und ziemlich weich gestreute Beleuchtung ergibt. Da jetzt das Licht für unser Motiv nicht mehr vom Blitz selbst auszugehen scheint (es leuchtet ja sozusagen die Zimmerdecke), ist der Lichtabfall mit zunehmender Entfernung ebenfalls stark abgemildert.
  3. Hilfsblitze
    Schon mehr Aufwand ist es, einen zweiten und vielleicht sogar dritten Blitz einzusetzen, die den Lichtabfall in der Tiefe des Bildes ausgleichen. Es gibt für diesen Zweck sogenannte Servoauslöser für den Blitz. Damit erspart man sich störende Kabelei. Die Belichtung klappt aber nur dann optimal, wenn die Helligkeiten der Blitze aufeinander abgestimmt sind. Das ist also schon eher Blitzen für Fortgeschrittene.
  4. Blitz plus Langzeitbelichtung
    Eine interessanteste Möglichkeit ist aber oft eine ganz andere: Man nimmt eine deutlich verlängerte Belichtungszeit in Kauf (evtl. Stativ benutzen oder die Kamera irgendwo stabil auflegen) und kombiniert den Blitz mit dem vorhandenen Umgebungslicht (sofern es nicht gerade stockfinstere Nacht ist wie im Bild oben). Der Blitz ist dann nämlich nicht mehr Hauptlicht, sondern nur noch Zusatzlichtquelle, so dass der Lichtabfall in der Ferne bei weitem nicht mehr so stark ins Gewicht fällt.

Das Bild links ist mit der unter 4. beschriebenen Technik aufgenommen worden (sogar ohne Stativ). Man sieht deutlich, dass zwar immer noch ein gewisser Lichtabfall vorhanden ist, aber wesentlich schwächer als beim obigen Bild. Die dunkle Wand im Hintergrund ist noch fast normal belichtet.


Aufnahmen ohne Stativ können übrigens auch interessante Wischeffekte und Doppelkonturen bei Lichtquellen und reflektierenden Gegenständen geben, wie man an diesem Bild hier sehen kann. Der große Vorteil der Digitalkamera ist, dass man direkt nach der Aufnahme das Ergebnis kontrollieren kann und sofort merkt, wenn mal was nicht so geklappt hat, wie man es gerne wollte, denn etwas Zufall spielt hier immer mit.


Kann meine Kamera das auch?

Ja, ziemlich sicher jedenfalls. Nur ist diese Funktion manchmal etwas versteckt und leider auch nicht bei jeder Kamera mit einheitlicher Symbolik bezeichnet. Außerdem ist sie im Vollautomatik-Modus meist nicht verfügbar. Man sollte also unbedingt in der Bedienungsanleitung nachschauen, wie das bei der eigenen Kamera geht. Man findet diese Funktion oft unter dem Stichwort Aufhellblitz erklärt - aber selbst dieser Begriff wird unterschiedlich verwendet.