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Die Grundlagen des RAW-Konverter

Photoshop CS6, Lightroom 4, Photoshop Elements 11:

Die Welt von Adobes RAW-Konvertern ist nicht sehr übersichtlich. Erst nach gründlichem Vergleich stellt man fest, dass einem Lightroom 4 und CS6 identischen Leistungsumfang bieten und der jeweilige RAW-Konverter nur mit einer anders gestalteten Bedienungs-Oberfläche daher kommt. Der RAW-Konverter von Photoshop Elements 11 ist im Vergleich dazu stark abgespeckt. Die wirklich wichtigen Leistungsmerkmale bringt er aber mit und die Bedienung gleicht der des CS6-RAW-Konverters.

Voller Leistungsumfang oder Sparversion?

RAW
Die neue Version der Regler des RAW-Konverters. Es ist auch markiert, wodurch sich die Vollversion und die von Elements unterscheiden.

Wenn man den Funktionsumfang des RAW-Konverters der drei Programme vergleicht, sticht schnell ins Auge, wie »kastriert« der RAW-Konverter von Elements ist. Während CS6 insgesamt 10 Karteien-Reiter bietet, hinter denen sich einzelne Funktionsgruppen verbergen, hat man bei PSE sieben davon unter den Tisch fallen lassen. Im ersten Moment denkt man natürlich: Das kannste dann wohl vergessen!

Ganz so unbrauchbar ist die Sparversion allerdings nicht, denn die wirklich wichtigen Funktionen sind erhalten geblieben. Das meiste, was beim PSE-Konverter fehlt, sind eher Funktionen, die den RAW-Konverter einfach bequemer in der Handhabung machen. Man muss also mehr nachher im PSE selbst noch bearbeiten, während der Benutzer der Vollversion diese Schritte geich im RAW-Konverter erledigen kann und damit natürlich die maximale Qualität erreicht. Objektiv betrachtet ist es also eine gewisse Einbuße, aber so gering, dass die Zielgruppe, an die sich Elements wendet, das kaum stören dürfte.

Die Grundeinstellungen

Schauen wir uns zuerst die Grundeinstellungen an, die ja in allen drei Programmen identisch sind.

Weißabgleich

Ganz oben findet man wie gewohnt und unverändert die beiden Regler für den Weißabgleich. Da man sich ja im RAW-Konverter befindet und mit dem gesamten Roh-Datenumfang des Bilds arbeitet, ist eine Veränderung am Weißabgleich ein verlustfreier Vorgang, der jederzeit auch wieder rückgängig gemacht werden kann.

Viele meinen, das sei doch eine Selbstverständlichkeit. Ist es aber nicht, wie man sich sehr leicht mit einem JPG-Bild zum Vergleich überzeugen kann. Dass man dort viel schneller an Grenzen stößt, liegt einfach daran, dass das JPG-Bild nur noch die Bildinformationen enthält, die nach dem schon stattgefundenen Weißabgleich noch nötig waren. Es ist also kein Wunder, dass man bei einem stark warmtonig abgestimmten Bild ohne die RAW-Daten nicht mehr beliebig die Blau- und Grüntöne anheben kann. Den Weißabgleich sollte man deshalb grundsätzlich immer im RAW-Konverter vornehmen und nachher im Bildbearbeitungsprogramm an der Einstellung nur noch kleinere Korrekturen vornehmen.

Was ist anders bei den nächsten sechs Reglern?

RAW
Die alte Version, bei der der Nullpnkt noch nicht in der Mitte lag

Es waren auch vorher schon sechs Schieberegler gewesen, aber in anderer Reihenfolge angeordnet und teilweise anders bezeichnet:

Viel wichtiger ist aber, dass in der neuen Version der Nullpunkt des Schiebereglers in der Mitte steht, so dass man jeweils vom Nullwert aus in beide Richtungen gehen kann. Damit ist der Einstellbereich insgesamt erheblich gewachsen. Besonders deutlich merkt man das bei ausgefressenen Lichtern. Es ist sehr beeindruckend, was da jetzt auch aus hoffnungslos überbelichtet erscheinenden Bildern noch heraus zu kitzeln ist.

Empfehlungen zur Arbeitsweise

Hinweis:
Wie sehr oft bei der Bildbearbeitung gibt es nicht nur »die eine« richtige Vorgehensweise und alles andere ist falsch. Meine Empfehlungen erheben keinen Anspruch auf Einzigartigkeit. Probieren Sie also ruhig auch eigene Ideen aus, die Ihnen vielleicht besser liegen.

1. Weißabgleich

Obwohl man den Weißabgleich im RAW-Konverter zu jedem beliebigen Zeitpunkt vornehmen kann, habe ich mir angewöhnt das früh zu erledigen. Es muss noch nicht die allerletzte Feinheit sein, aber ich habe festgestellt, dass mein Empfinden für die weiteren Einstellungen sich ändert, wenn nachträglich noch eine kräftige Korrektur der Weißabstimmung vorgenommen wird.

2. Belichtung

Histogramm

Ein kritischer Blick auf das Histogramm gibt wichtige Information für den Einstieg in die Bearbeitung. Am Besipiel rechts ist z.B. sofort zu erkennen, dass am rechten Ende - also bei den Lichtern - noch reichlich Reserve ist, während es bei den Tiefen nach Beschnitt aussieht. Wenn das zugehörige Motiv nicht gerade eine klassische Low-Key-Aufnahme ist, wird das Bild wahrscheinlich merklich unterbelichtet sein. Man sollte also die Belichtung erst einmal anheben. Ein ganz guter Ausgangswert ist der, bei dem das Histogramm möglichst gut mittig steht.

3. Lichter und Tiefen

Kasse

Diese beiden Regler dienen zur besseren Herausarbeitung zu heller (=Lichter) und zu dunkler (=Tiefen) Bereiche im Bild. Weil die Schieberegler jetzt so angeordnet sind, dass bewegen nach rechts generell heller macht, ist das für den, der noch CS5 gewöhnt ist (also die ältere Version, siehe weiter oben rechts), bei den Lichtern zunächst ungewohnt, weil es da (= früherer Regler Wiederherstellen) genau anders herum war.

Es ist an den beiden Versionen des kleinen Fotos rechts gut zu sehen, wie viele Details in den Lichtern und Schatten allein schon hier heraus zu holen sind. Es gibt zwar auch im Photoshop eine Korrektur Tiefen/Lichter, aber der RAW-Konverter ist unbedingt vorzuziehen, weil dort durch die wesentlich größeren Reserven kaum Artefakte drohen.

4. Weiß und Schwarz

Zu diesen beiden Reglern greife ich nur selten. Ich sehe sie als eine Art »stille Reserve«, wenn die Regler Lichter und Tiefen an die Grenzen stoßen und die Wirkung noch nicht ausreichend ist. Vor allem im Bereich scheinbar hoffnungslos überbelichteter Bildteile ist jetzt noch unglaublich viel heraus zu holen. Schon allein deswegen lohnt der Umstieg auf die neueste Version, finde ich.

5. Klarheit

Kalter Kaffee, meinen Sie, weil es den doch schon ewig lang gibt? Das dachte ich zuerst auch und hab ihn nicht weiter beachtet. Tatsächlich bewältigt dieser Regler jetzt aber seine Arbeit um Klassen besser, so dass ich viel Gebrauch davon mache. Die ursprüngliche Funktion war ja nicht viel mehr als Unscharf maskieren mit sehr hohem Radius und geringer Stärke gewesen. Über +25 bin ich bisher nur selten gegangen, weil man aufmerksam die Kanten im Auge behalten musste, um nicht einen ungewollten »Heiligenschein« zu übersehen. In der neuen Version kann man jetzt aber bedenkenlos den Regler bis auf +100 hoch ziehen. Nicht zu jedem Motiv passt der Effekt, aber es ist schon beeindruckend welche Plastizität dieser Regler dem Bild verleihen kann. Unbedingt selber ausprobieren!

Die Kamerakalibrierung

Prozess

Falls Sie sich schon gewundert haben, dass bei manchen Bildern nur die ältere Version gezeigt wird: Diese Bilder sind irgendwann schon mal mit einer älteren Version des RAW-Konverters bearbeitet worden und sind nicht auf den neuen Prozess umgestellt worden. Darauf aufmerksam gemacht wird man im Vorschaufenster des RAW-Konverters durch ein warnendes Ausrufezeichen in der rechten unteren Ecke. Wenn man dort drauf klickt, wird automatisch auf den aktuellsten Prozess umgestellt. Sie können aber auch die Kamerakalibrierung aufrufen (der kleine Reiter mit dem Kamerasymbol drauf). Dort können Sie sogar zu älteren Versionen zurück schalten.

Das Optimum heraus holen

Auch wenn es schon tausend Mal gesagt ist, ich wiederhol's trotzdem: Es ist Sache des Fotografen zu entscheiden, wie er sein Bild im Detail ausgearbeitet sehen möchte. Es geht nicht um sture formale Kriterien und sicher auch nicht darum, ob ganz bestimmt die Lichter nirgends ausgefressen sind und die Schatten nirgends abgesoffen. Das stört dann, wenn es ungewollt passiert ist (aus Nachlässigkeit oder aus Nicht-Besser-Können). Wer aber mit dem aktuellen RAW-Konverter umgehen kann und sorgfältig arbeitet, dem stehen so viele leistungsstarke Korrekturmöglichkeiten offen, dass sogar relativ krasse beleuchtungsmäßige Schwächen vieler Bilder ausgeglichen werden können.

Akt im Herbst

 
Resümee:

Ganz egal, wieviel Geld Sie für Bildbearbeitung ausgeben möchten: Verzichten Sie nicht auf sorgfältige Ausarbeitung Ihrer Bilder, die Ihnen am Herzen liegen, mit dem aktuellen RAW-Konverter. Für fast alle hier gezeigten Bilder genügt auch die Sparversion aus Photoshop Elements 11 (lediglich das Aktbild hat noch eine geringe zusätzliche Abstimmung in CS6 bekommen, aber unbedingt nötig wäre es nicht gewesen).

Trotzdem empfehle ich Ihnen die Vollversion des RAW-Konverters. Ich werde in weiteren Tutorials zeigen, was damit zusätzlich möglich ist: eine ganze Menge nämlich noch. Die billigste Einkaufsmöglichkeit für diese Version ist zusammen mit Lightroom 4 (kostet 125,- Euro, also nur unwesentlich mehr als Photoshop Elements). Zur Zeit bietet Adobe aber auch wieder den stark verbilligten Einkauf von CS6 an (für 199,- Euro bei nicht-kommerzieller Nutzung), wenn man einen VHS-Kurs zur Bildbearbeitung macht. LR 4 bekommt man als VHS-Teilnehmer übrigens bereits für 69,- Euro.