Jeder weiß doch, was Farbe ist, oder!? - Daß man besser nicht vorschnell "na klar" antworten sollte, merkt man spätestens dann, wenn man einem Unbedarften Einzelheiten der Kanäle zu erklären versucht. Schneller als gedacht kommt man dabei ins Schleudern.
Daß Farbe nicht gleich Farbe ist, davon kann man sich unter dem Menüpunkt "Bild" ---> "Modus" überzeugen, wo man gleich eine ganze Reihe an Modi zur Auswahl erhält.
Von RGB und CMYK haben die Meisten schon mal was gehört. Der Farbmodus für die Darstellung am Bildschirm schlechthin ist RGB (rot, grün, blau). Es handelt sich dabei um die sogenannte additive Farbmischung, die bei selbst leuchtenden Objekten (wie es der Bildschirm ist) vorkommt. Das Gegenstück CMYK (cyan, magenta, gelb, schwarz) ist die subtraktive Farbmischung, mit der man es z.B. bei Druck zu tun hat. Ich komme später noch näher drauf zurück, will mich aber momentan erst mal auf RGB beschränken.
Schauen wir uns die drei Farbkomponenten im RGB-Modus für das Bild oben rechts einmal näher an (zu finden im Fenster "Kanäle"):
|
Ein Bild im RGB-Modus |
||
|
|
|
Der Rot-, Grün- und Blau-Kanal zusammen erzeugen den Farbeindruck des Bildes. Je heller ein Bildteil in einem Kanal ist, desto höher ist dieser Farbanteil, und je dunkler, umso geringer. Entsprechend hell ist das Gesicht hier im Rot-Kanal und entsprechend dunkel im Blau-Kanal. Der gelbe Pulli hat etwas überraschend in allen drei Kanälen einen stattlichen Anteil, wenn auch aber im Blau-Kanal am geringsten.
Man sieht schon, ganz so "gradlinig", wie man vielleicht erwartet hätte, ist der Zusammenhang anscheinend nicht. Das liegt hauptsächlich daran, daß man natürlich nicht gewohnt ist, einen Farbeindruck in seine drei additiven Grundkomponenten zu zerlegen. Beim hellgelben Pulli kommt noch dazu, daß im RGB-Modus außer der Farbinformation auch die Helligkeitsinformation auf die drei Kanäle aufgeteilt ist Der Pulli ist vor allem hell mit relativ wenig Farbintensität (deshalb in allen drei Kanälen präsent).
Portraitaufnahmen mittel- und nordeuropäischer Menschen würden oft etwas weniger blasse Tonwerte vertragen. Hier ein Beispiel:


Vom linken Bild zur rechten Version zu gelangen, benutzt man am besten die zu Unrecht nur wenig beachtete Funktion "Bildberechnungen...", die man unter dem Menüpunkt "Bild" findet. Die Bildberechnung-Funktionen machen aber leider einen sehr kryptischen Eindruck und führt deshalb Unwissende meistens zu unbrauchbaren Ergebnissen. Ich erkläre deshalb einfach mal in Art eines Kochrezepts, was zu tun ist:


Was geschieht dabei?
Bei den Bildberechnungen habe ich den Blau-Kanal aufgerufen und der oberen Ebene des gesamten RGB-Bilds zugewiesen. Weil ich diese Ebene aber schon vorher auf den Ebenenmodus "Luminanz" gesetzt hatte, wird nur die Helligkeits-Information des Blau-Kanals verwendet und dem darunter liegenden Original-Farbbild zugewiesen. Wir wissen schon, daß das Portrait im Blau-Kanal um Einiges dunkler sein wird (siehe das erste Beispielbild weiter oben). Die Bildberechnung wird also jetzt das Farbbild deutlich abdunkeln.
Weil mir diese Abdunkelung zu krass ausgefallen wäre, habe ich zusätzlich noch den sehr hellen Rot-Kanal aufgerufen und als Maske verwendet, um die abdunkelnde Wirkung des Blau-Kanals zu begrenzen.
Ich finde, der erzielte Effekt kann sich durchaus sehen lassen und wäre auf andere Art und Weise sicher nur mit deutlich mehr Mühe zu erzeugen gewesen. Man braucht nicht den Anspruch zu haben, im Detail nachzuvollziehen, was bei den Bildberechnungen jeweils passiert, sondern es reicht, das Grundprinzip zu verstehen (Ebene duplizieren und auf Luminanz schalten; bei den Bildberechnungen den Kanal auswählen, der Helligkeitswerte in die gewünschte Richtung bringt; evtl. durch zusätzlichen Maskenkanal oder durch veränderte Deckkraft anpassen).
Einfach mal ausprobieren!
Der durchschnttliche Anwender hat in der Bildbearbeitung mit CMYK scheinbar nur selten zu tun. In Wirklichkeit ist Farbdruck zwar fast immer CMYK, weil eben auf subtraktiver Farbmischung basierend, aber man merkt oft nur wenig davon, weil der Druckertreiber - komfortabel für den am Bildschirm sitzenden User - meistens bevorzugt RGB-Daten entgegen nimmt und die Weiterverarbeitung interne erledigt.
|
Ein Bild im CMYK-Modus |
|||
|
|
|
|
Hier ist alles anders. Eine intensive Farbkomponente wird sich im zugehörigen Kanal als besonders dunkel wieder finden - also gerade umgekehrt wie bei RGB. Das liegt daran, daß man sich subjektive Farbmischung am besten wie ein auf weißes Papier gemaltes Bild vorstellen kann. Wenn alle Kanäle sehr dunkel sind, entspricht das einem Blatt, auf das mit mehreren Farbstiften übereinander gemalt wurde. Entstanden ist dabei ein sehr dunkler Ton.
Eine besondere Rolle spielt der Schwarz-Kanal. Theoretisch wäre er überflüssig, weil die drei anderen Kanäle zusammen auch schon schwarz erzeugen können müßten. Tatsächlich sieht dieses "Schwarz" aber eher "Dunkel-Grau-Braun-Oliv-Dreckig" aus. Man hat deshalb dem subtraktiven Farbmodell einen vierten Kanal dazu gegönnt, in dem die besonders dunklen Bildbereiche noch mit einem reinen Schwarz vertreten sind.
Den Schwarz-Kanal zeichnet eine Besonderheit aus: Bildinformation nur aus den besonders dunklen Bereichen. Diese Tatsache kann man sich beim Schärfen (bevorzugt "Unscharf maskieren", weil fein dosierbar) zu Nutze machen. Der große Vorteil dieser Methode ist, daß man keine künstlichen Farbsäume befürchten muß und große Farbflächen ebenfalls weitgehend unangetastet bleiben. Eventuell im Bild vorhandenes Rauschen wird auch eher dezent behandelt.
Und so geht man dazu vor:


Man könnte jetzt auf die Idee kommen, ein RGB-Bild nur zum Zweck des Schärfens in CMYK und danach wieder zurück zu verwandeln. Grundsätzlich kann man das schon machen, sollte aber bedenken, daß die Farbräume nicht deckungsgleich sind und deshalb beim Wechsel zwischen RGB und CMYK Tonwerte "am Limit" eventuell leiden können (das Rot ist vielleicht danach nicht mehr ganz so knallig wie es vorher war usw.). Mindestens ein genauer Blick, ob sich beim Umschalten was geändert hat, ist also auf jeden Fall ratsam.

Photoshop-Tipps
Aktualisiert am 28.12.2011