Digitale Infrarotfotografie
IR-Fotografie und Belichtungsmessung
Etwas tückisch bei Infrarotaufnahmen kann die Belichtung sein, weil der Belichtungsmesser darauf natürlich nicht abgestimmt ist. Er ermittelt überwiegend die Helligkeit des sichtbaren Lichts. Bei IR-Fotos wird genau dieses aber ausgeblendet. Wenn man die Meßwerte des Belichtungsmesser übernimmt, setzt man stillschweigend voraus, daß für Infrarotfotografie die gleiche Helligkeit herrscht wie im sichtbaren Licht. Das stimmt aber nur sehr ungefähr. Digitalkameras sind durch die sofortige Kontrollmöglichkeit deshalb gegen die konventionelle Infrarotfotografie mit infrarot sensibilisiertem Film im Vorteil.
Tipps zur richtigen Belichtung von IR-Fotos
- Es trifft zu, daß ein Motiv im Sonnenlicht sowohl im sichtbaren Licht wie auch im Infrarot heller erscheint wie dasselbe Motiv im Schatten. Durch den Wood-Effekt wird alles Blattgrün Enthaltende aber zusätzlich aufgehellt. Man muß entsprechend knapper belichten als der Belichtungsmesser anzeigt. Wenn im sichtbaren Licht die Differenz zwischen Sonnenlicht und Schatten ungefähr 3 Blendenstufen ausmacht, sind es im Infrarot oft bis zu 5 Stufen. Motive mit vollem Sonnenlicht und mit tiefen Schatten im selben Bild stoßen deshalb meistens an die Grenze des darstellbaren Kontrastumfangs oder überschreiten sie sogar.
- Man darf nicht pauschal davon ausgehen, daß Blattgrün im Infrarot immer weiß erscheint. Ohne direkten Lichteinfall kann das Blattgrün in ein langweiliges Grau absacken. Es ist schwer, etwas Allgemeingültiges vorher zu sagen. Man sollte deshalb solche Bilder auf dem Display kontrollieren und die Belichtung anpassen. Mit Sorgfalt fotografiert können aber Infrarotfotos auch bei bedecktem Himmel oder im Schatten ein lohnendes Motiv sein.
- Das Histogramm hat nur eingeschränkten Aussagewert, weil seine Darstellung immer auf das sichtbare Licht bezogen ist. Tatsächlich würde bei Infrarot aber nur der Rotkanal wirklich interessieren. Selbst wenn die Kamera das Histogramm auf die Kanäle aufgeteilt darstellen kann, ist das auf Infrarot bezogen nur ungefähr interpretierbar.
Natürlich kann man versuchen einen guten Weißabgleich hinzukriegen. Ich finde aber, es lohnt die Mühe nicht. Ich stelle an meiner Kamera als Weißabgleich Kunstlicht ein (also Glühlampe). Ich erhalte damit ein ziemlich rotstichiges Bild, aber das genügt, um auf dem Display Belichtung und Kontrast abschätzen zu können. Weil ich im RAW-Modus fotografiere, kann ich die Feinabstimmung nachher am Monitor durchführen. Für den Weißabgleich habe ich im RAW-Konverter einen guten Standardwert abgespeichert, den ich für alle Bilder mit einem Mausklick zuweisen kann.
- Infrarotaufnahmen können auch bei Nacht interessant sein. Man würde es nicht unbedingt erwarten, aber der Wood-Effekt ist oft auch bei sehr spärlichem Licht oder Kunstlicht vorhanden - es lohnt also einen Versuch!
Bei Infrarotfotografie außerdem beachten:
Weil die richtige Scharfeinstellung für IR-Fotografie auch nicht ganz ohne ist (der Fokus bei Infrarot und der bei sichtbarem Licht unterscheiden sich oft merklich; viele Festbrennweiten-Objektive haben noch eine Markierung für die Korrektur dieser Differenz bei unendlich), ist es verlockend, zur Vorsicht immer ziemlich weit abzublenden, um die Differenz in der großen Tiefenschärfe verschwinden zu lassen.
Die Idee klingt vernünftig, aber der Schuß kann nach hinten losgehen:
Bei manchen Objektiven (vor allem Zoom-Objektive) nimmt die gesamte Bildschärfe im Infrarot bei stärkerem Abblenden rapide ab. Bei dem Objektiv, das ich meist auf der IR-Kamera drauf hab, ist Blende 8 bereits die Grenze. Bei kurzen Brennweiten-Einstellungen wirkt bereits bei Blende 11 das ganze Bild sichtbar schlechter. Richtige Konturenschärfe ist dann in keinem Entfernungsbereich mehr vorhanden. - Also Vorsicht beim Abblenden über ca. Blende 8 hinaus! Am besten das bevorzugte Objektiv erst systematisch testen, damit man ungünstige Einstellungen vermeiden kann.
Das Problem Fokusdifferenz löst man am einfachsten dadurch, daß man ein apochromatisches Objektiv verwendet. Für solche Objektive ist nämlich keine Korrektur der Scharfeinstellung nötig.