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FOTOTIPP Juni 2016:

Freiwillige Beschränkung

Eine Idee, die sich mehr zufällig ergeben hat und die mir aber umso mehr zu gefallen beginnt: Für eine gewisse Zeit Verzicht auf die ganze Palette unterschiedlicher Brennweiten und stattdessen Beschränkung auf eine einzige Brennweite.

Darauf gekommen bin ich dadurch, dass ich fast nur noch mit Festbrennweiten arbeite und nicht immer Lust dazu habe nur auf Verdacht alle Objektive mit mir rumzutragen, wenn ich ohne eine konkrete Bildidee unterwegs bin. Wenn ich wirklich maximale Flexibilität haben möchte, dann macht es schon mehr Sinn das Zoom auf die Kamera zu setzen.

Das 18-135 mm Zoom, das ich habe, ist ein qualitativ sehr gutes Objektiv, aber eben mit den Kompromissen, die für Zooms typisch sind: reduzierte Lichtstärke und trotzdem nicht gerade klein. Ich suche mir deshalb lieber eine Festbrennweite aus, auf die ich grad Lust hab. Dabei ist mir jetzt aufgefallen, dass ich das Objektiv inzwischen erstaunlich selten wechsele. Das liegt daran, weil ich die Festlegung auf eine Brennweite längst nicht mehr als Einschränkung empfinde, sondern sogar daran Spaß bekommen habe Bilder ganz gezielt in der typischen Perspektive der Brennweite, die ich grad drauf hab, zu »denken« und zu komponieren. Natürlich sind nicht alle Motive immer geeignet. Das empfinde ich aber nicht als Hindernis, weil ich ja keiner Verpflichtung nachkommen und keine Motivliste abarbeiten muss, sondern zu meinem Vergnügen fotografieren kann.

Mir fällt auch auf, dass mir die Charakteristik eines Objektivs nach und nach besser gefällt, je länger und intensiver ich mich damit befasse. Momentan ist zum Beispiel das 1,4/23 mm fast zu meinem Lieblingsobjektiv geworden, weil ich das jetzt gerade über zwei Wochen an der Kamera dran hatte und sehr vertraut mit dieser Sehweise geworden bin. - Und das, obwohl ich ja sehr lange einen Bogen um diese Brennweite gemacht habe, weil ich dachte, Kauf lohnt nicht, ist viel zu nah am 35er dran! Wenn mir das 23er nicht gerade mal zu einem sehr günstigen Preis gebraucht übern Weg gelaufen wäre, hätte ich es mir wohl nicht gekauft. Wäre sehr schade gewesen, kann ich jetzt sagen!

Probieren Sie's mal aus:

Fotografieren Sie doch mal eine Zeit lang immer nur mit der gleichen Brennweite und beobachten Sie, wie sich Ihre fotografische Sehweise davon beeinflussen lässt. Ich habe vor allem meine Wahrnehmung für die Wirkung räumlicher Tiefe dabei wesentlich verbessern können. Aber wer weiß: Vielleicht ist es bei Ihnen ja etwas ganz anderes!