Untermenüs finden Sie am Seitenende.

FOTOTIPP Januar 2014:

Die sparsam eingesetzte Farbe

AnneDer Winter ist die Jahreszeit der wenig spektakulären Farben. Was bietet sich also unmittelbarer an, als dieses Merkmal ganz gezielt einzusetzen?

Das Bild hier links hätte ich natürlich auch so ausarbeiten können, dass der Hautton viel intensiver gekommen wäre, und auch ein paar Details im Hintergrund waren leicht farbig. Die hätte man auch hoch holen können, wenn man das möchte. Stattdessen habe ich aber partiell entfärbt (dafür ist keine Auswahl nötig, das geht ruckzuck einfach mit dem Pinsel) und das gesamte Bild so abgestimmt, dass ein leicht warmer Grundton vorhanden ist.

Die Wirkung

Wenn man sich solche Bilder genauer anschaut, stellt man fest, dass dabei etwas recht Kurioses passiert: Hier ist eine Fast-SW-Wirkung vorhanden, die von der zwar schwachen, aber doch deutlich wahrnehmbaren Farbe unterlaufen wird. Ich finde, dadurch entsteht eine gewisse Distanz. Es ist ein Farbbild, auf eine besondere Weise aber auch nicht richtig farbig. Das zieht einerseits den Blick an und macht das Bild aber irgendwie »ungreifbar«.

In diesem Spannungsfeld zwischen nicht richtig farbig, aber eben auch nicht schwarzweiß lassen sich sehr feine Bildstimmungen platzieren und unterstützen. Natürlich ist nicht jedes Motiv dafür geeignet. Ich habe auch ganz normale Farbfotos so umzuarbeiten probiert, aber meistens fand ich, dass es nicht meinen Wünschen entsprechen konnte. Deshalb achte ich schon bei der Aufnahme darauf, ob ein Motiv für diese Art der Gestaltung geeignet ist, Wenn ja, dann versuche ich noch vor dem Druck auf den Auslöser den Hintergrund entsprechend zu wählen (auf jeden Fall weit offene Blende heißt das meistens).

Andrea

Ich habe am Anfang nur selten schon eine ganz klare Vorstellung, wie ein solches Bild werden soll. Ich finde, das ist auch nicht nötig. Es reicht mir, wenn ich die Stimmung des Bildes beschreiben kann, denn daran kann ich mich dann bei verschiedenen Versuchen entlang tasten.

Photoshop

Grundsätzlich kann man die Ausarbeitung solcher Bilder mit wenigen Ausnahmen bestimmt im RAW-Konverter vornehmen. Ich mache trotzdem dort nur die ganz grundlegenden Bearbeitungen und wechsele für die weiteren Schritte auf Photoshop (bei mir CS6, aber auch eine ältere Version ist gut geeignet). Ich kann dort nämlich mit mehreren Ebenen arbeiten. In die lege ich verschieden abgestimmte Versionen und probiere aus was passiert, wenn ich die Deckkraft der einzelnen Ebenen variiere. Das ist eine sehr bequeme Methode, um schnell unterschiedliche Nuancen zu testen und die zu erkennen, die meiner Vorstellung von der Bildstimmung am nächsten kommen.

Bei dem Bild rechts habe ich zum Beispiel das originale Farbbild mit einer bräunlichen Duplex-Variante überlagert und den Regler für die Deckkraft so lange hin-und-her geschoben, bis ich mit der Wirkung zufrieden war. - Probieren Sie es auch mal aus mit eigenen Aufnahmen!