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FOTOTIPP Dezember 2015:

Wintersonne für Porträt und Akt

NicoletteNicoletteNicolette

Beim Fotografieren von Porträt oder Akt gehe ich direktem Sonnenlicht nach Möglichkeit aus dem Weg, weil mir die Schatten viel zu hart und dominant sind.

Keine Angst vor Kontrasten

In den Monaten November bis Februar sieht das aber etwas anders aus, weil die Sonne in dieser Zeit ja deutlich tiefer steht als im Sommer und das Licht insgesamt merklich weicher ist. Wenn dann am Morgen sogar noch Nebel ist und sich der erst ganz allmählich auflöst, hat man sehr schöne Bedingungen.

Zwang zum Blitzen?

Manchmal hab ich den Verdacht, dass es irgendeinen magischen Zwang zum Einsatz von Blitz zu geben scheint, sobald ein Model auch nur halbwegs in die Nähe eines Fotografen kommt. Warum ist das so?

Ich vermute, es ist eine Kombination aus Gedanken­losigkeit ("ein Aufhell­licht ist immer gut!"), Herdentrieb (alle Studio­foto­grafen machen das) und Imponier­gehabe (jetzt hat man sich so eine schöne portable Blitz­anlage für teures Geld gekauft, dann muss die aber auch publikums­wirksam gezeigt werden).

Wer im Hochsommer bei Sonnen­schein sein Model foto­grafieren will, der hat in der Tat ein Problem wegen knallharter Schlag­schatten, die wohl niemand haben möchte. Das kann ich gut verstehen. Und deshalb fotogra­fiere ich bei solchen Bedingungen auch nicht, keine Lust, basta!

Mit geballter Blitz­energie und Reflek­toren kann man - richtig eingesetzt - sicher ein Licht hinbasteln, bei dem sich arbeiten lässt. Mein Ding ist es aber nicht.

Die Wintersonne bringt alles das, was sich der typische Sommer­fotograf mühsam erst zurecht schneidern muss, fix und fertig schon mit. Ich finde, dann noch zum Blitz oder Reflektor zu greifen und die schöne Lichtstimmung zu verschlimm­bessern, das wäre einfach nur Frevel!

Genau hin­schauen

Aus meiner Begeisterung für das winterliche Licht sollten Sie aber nicht den falschen Schluss ziehen, dass das eine idioten­sichere Beleuch­tung ist, bei der man gar nichts falsch machen kann. Im Gegenteil sogar: Es ist nur dann ein wunderbares Licht, wenn man sorgfältig arbeitet und auch auf die vielen kleinen Feinheiten achtet, die das nur durch­schnittliche Bild vom wirklichen Hingucker unterscheiden.

Man kann schon mit Belichtungs­automatik arbeiten, wenn man das möchte, aber je nach Helligkeit des Hintergrunds und dem Einfall des Lichts kann oft eine mehr oder weniger starke Korrektur Sinn machen. Ich lasse mir einfach Zeit und mache intensiven Gebrauch von der tollen Möglich­keit der Digital­kameras, dass man ja beliebig oft auf dem Display kontrollieren kann, ob alles wirklich passt. Wir haben an dem Tag drei Stunden lang fotografiert, und ich habe rund 200 Bilder mit nach Hause gebracht. Das bedeutet, dass ich mir (jetzt ganz naiv gerechnet) für jedes Bild fast eine Minute Zeit genommen habe.

Selbstver­ständlich kann man in der gleichen Zeit auch ohne weiteres mehr als 1000 Fotos schießen - aber wozu? Etwa um zu hoffen, dass »ganz von selbst« schon ein paar besonders gelungene Bilder drunter sein könnten?