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Über mein Buch »Fine Art Fotografie«

Blick hinter die Kulissen
Hier möchte ich einen Eindruck vermitteln, worauf es mir bei dem Buch Fine Art Fotografie angekommen ist und welche Ideen im Hintergrund mich beim Zusammenstellen und Schreiben des Buchs geleitet haben.

Erste Annäherung

Fine Art Fotografie: Jeder hat den Begriff schon mal gehört. Fragt man genauer nach, was der Gesprächspartner damit verbindet, werden die Antworten schon sehr schnell ziemlich mager und wenig konkret. Nach einigem Nachdenken gelangen viele zu einer Formulierung, die folgendes Merkmal enthält:

»Fine Art, das ist sehr hochwertige Schwarzweiß-Fotografie, wie sie zum Beispiel Ansel Adams betrieben hat!«

Nun hat Adams (gest. 1984) aber meistens mit der Großformatkamera fotografiert. Seine Negative hat er überwiegend selbst in der Dunkelkammer ausgearbeitet hat und sein Thema war vor allem die Landschaftsfotografie. Heißt Fine Art Fotografie also Landschaftsfotografie in SW und natürlich nicht digital betrieben?

An dieser Stelle kommen dann doch die meisten ins Nachdenken: Nein, so eng könnte man das dann doch nicht sehen. 1984 gab es ja noch keine Digitalfotografie. Wenn Ansel Adams heute noch leben würde, vielleicht würde er ja heute auch digital fotografieren. Aber wenn, dann hätte er ganz bestimmt eine der besten Kameras , die es auf dem Markt gibt, denn es war ja kein Zufall, dass er aus Qualitätsgründen damals die Großformatkamera verwendet hat.

Lac Blanc

Hauptsache schön?

Worauf kommt es also wirklich an bei Fine Art Fotografie? Geht es vielleicht vor allem darum, dass diese Bilder ganz besonders schön sein müssen nach ästhetischen Kriterien? Sehr schön und natürlich ganz besonders sorgfältig ausgearbeitet, also auf teuerstem Hahnemühle-Papier gedruckt? Gegen Sorgfalt und gutes Material ist bestimmt nichts einzuwenden - aber aus einem rundum schwachen Bild wird auf diese Weise trotzdem nie eine Fine Art Fotografie werden, genau so wenig wie eine Stradivari einen begnadeten Musiker schafft. Der wesentliche Kern muss also wo anders liegen.

AstridDas Bild im Kopf

Die wichtige Sorgfalt für ein Fine Art Bild liegt noch vor dem Druck auf den Auslöser: Das Bild existiert schon vorab als Bildidee im Kopf. Je griffiger Sie diese Bildidee vor Augen haben, umso mehr können Sie an Feinheiten darin unter kriegen.

Selbstverständlich dürfen Sie sich um das Entstehen einer ästhetisch schönen Aufnahme bemühen, wenn Ihnen das wichtig ist. Es wird aber meistens nur ein Randaspekt für eine Fine Art Fotografie sein. Viel entscheidender ist, dass Sie einen persönlichen Bezug zu Ihrem Bild finden müssen. Das Bild muss Ihnen etwas bedeuten und es muss Ihnen etwas zu sagen haben. Wenn diese Komponenten fehlen, wird es nie über das Stadium eines technisch perfekten, aber trotzdem innerlich leeren Fotos hinaus kommen.

Das Etikett Fine Art Fotografie hat also immer einen stark individuellen Aspekt. Es macht keinen Sinn nach rein äußerlich messbaren Kriterien zu suchen und eine Checkliste abzuhaken: 8 von 10 Merkmalen sind erfüllt - das Bild ist also eine Fine Art Fotografie, ich gratuliere!

Zurück zu Ansel Adams ...

Dass er ganz ohne Frage viele Bilder geschaffen hat, die tatsächlich die Bezeiuchnung Fine Art verdienen, liegt nicht an der Äußerlichkeit seiner beeindruckend perfekten Bildgestaltung und nachher ebenso perfekten und akribisch durchgeführten Ausarbeitung. Das sind alles nur die Dinge, die dem schnellen Betrachter ins Auge stechen. Was aber erst der entdeckt, der sich mehr Zeit nimmt und die Bilder auf sich wirken lässt, ist die enorme Wichtigkeit, die seine Arbeit für Ansel Adams hatte. Er ist darin aufgegangen und war nicht nur als Fotograf tätig, sondern auch ein sehr guter und engagierter Lehrer in seinen Themen. Seine Bilder enthalten etwas Bilder, das die Aufnahmen eines ungeduldigen Hau-Ruck-Knipsers nie enthalten können.

Ansel Adams wird von vielen an Fotografie Interessenten auch rund 30 Jahre nach seinem Tod als Verkörperung des Fine Art Fotografen angesehen. Leider geht der Blick dabei meistens nur auf die reinen Äußerlichkeiten und das Wesentliche im Hintergrund wird ausgeblendet. Und so gilt bei vielen Fine Art in der Fotografie heute als Schwarzweiß-Fotografie - am liebsten analog - von sehr ästhetisch gestalteten und akribisch perfekt ausgearbeiteten Landschaftsaufnahmen.

Dabei fällt mir doch Lichtenberg ein, der so treffend erkannt hat: Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.

... und weiter zu Ihnen selbst

Es geht um eine Ausprägung von Fotografie, die mehr ist als eine rein spielerische Freizeitbeschäftigung. Fine Art Fotografie, dem geht die Suche nach Themen und Bildideen voraus, bei denen der entscheidende Funke überspringen kann, damit Sie auch langfristig mit Interesse an Ihrem Thema dran bleiben und spüren, wie immer neue Anregungen dazu kommen. Ob Sie digital fotografieren oder mit Film, schwarzweiß oder in Farbe, das tut nichts zur Sache. Nicht mal um Ästhetik und Schönheit geht es. Was wirklich zählt und als Kriterium für Fine Art Fotografie taugt, das ist die Intensität und Ernsthaftigkeit Ihrer Arbeitsweise. Verwechseln Sie das aber nicht mit einer selbst gestellten Fleißaufgabe, die Sie abarbeiten müssen.

Neugierig geworden?
Das würde mich freuen! Erwarten Sie aber bitte kein Patentrezept für bessere Bilder. Lassen Sie sich auf viele Fragen ein und finden Sie Antworten, die zu Ihrer Art des Fotografierens passen. Wenn es dazu beitragen kann Ihr fotografisches Interesse auf die Themen zu fokussieren, zu denen Sie einen echten Bezug entwickeln können, dann hat dieses Buch seinen Zweck erfüllt.

Preis: 39,95 €